Lungenentzündung

Januar 2014 | Medizin & Trends

Warnzeichen, auf die Sie achten sollten
 
Husten, Schüttelfrost, Fieber: Was sich anfangs wie eine Erkältung oder Grippe anfühlt, kann auch eine Lungenentzündung sein und vor allem für Ältere und chronisch Kranke gefährlich werden. Nicht immer wird die Erkrankung rechtzeitig erkannt. MEDIZIN populär informiert über die wichtigsten Warnzeichen.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Man hustet, friert, hat hohes Fieber, Kopfweh und Gliederschmerzen, fühlt sich schlapp, müde und insgesamt ziemlich krank: Vor allem jetzt, in der nassen und kalten Jahreszeit, meint wohl jeder, dem es so geht, von der Grippe erwischt worden zu sein. „Tatsächlich können die genannten Beschwerden auf einen grippalen Infekt hindeuten“, sagt Dr. Ingrid Stelzmüller, Fachärztin für Lungenheilkunde am AKH in Linz sowie Vize-Leiterin des Arbeitskreises für Infektiologie und Tuberkulose der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie. „Es kann aber auch eine Lungenentzündung dahinterstecken.“ Mitunter kündigt sich eine Pneumonie, wie die Erkrankung in der Fachsprache heißt, aber auch anders an als diese typische Form und ist dann noch schwieriger zu erkennen. Symptome sind dann eher leichte Krankheitsgefühle, und, so Stelzmüller, „eine nur leicht erhöhte Körpertemperatur“. Da denken Betroffene oft, sich eine Erkältung eingefangen zu haben, nicht aber die sogenannte atypische Pneumonie, die wegen der niedrigen Temperatur auch kalte Lungenentzündung heißt.

Gefährliche Verwechselbarkeit

Ob bei dieser seltenen atypischen bzw. kalten Lungenentzündung oder bei der wesentlich weiter verbreiteten typischen Pneumonie, die mit plötzlichem hohem Fieber einhergeht: Aufgrund der Verwechselbarkeit mit einer Erkältungskrankheit oder der Grippe versuchen die Betroffenen zunächst meist, die Beschwerden selbst auszukurieren. Währenddessen schreitet die Lungenentzündung fort – und wird gefährlich. Eine große Bedrohung kann die Pneumonie insbesondere für Menschen über 50 werden. In dieser Altersgruppe schlägt die Krankheit auch am häufigsten zu, da das Immunsystem mit den Jahren schwächer wird und der Kampf gegen die Erreger der Lungenentzündung schwerer fällt. Zudem sind Menschen mit chronischen Krankheiten wie Diabetes mellitus (altersbedingte Zuckerkrankheit), Atemwegs-, Herz-, Leber­erkrankungen und Nierenfunktionsstörungen besonders gefährdet; ebenso Säuglinge und Kleinkinder, deren Immunsystem noch nicht gelernt hat, sich gegen Attacken von Bakterien, Viren & Co zu wehren.

Wenn die Luft ausgeht

Wie viele Menschen hierzulande an einer Lungenentzündung erkranken, ist nicht bekannt, so Stelzmüller. Meist ist die Erkrankung nach spätestens zwei bis drei Wochen ausgestanden. Doch bei Menschen, die geschwächt sind, kann die Lungenentzündung zu Komplikationen – und zum Tod führen.
„Je früher die Behandlung beginnt, desto besser kann die Lungenentzündung behandelt werden, und gefährliche Komplikationen bleiben aus“, begründet Medizinerin Stelzmüller, warum es so wichtig ist, erste Warnzeichen ernst zu nehmen.
Wie aber kann man selbst schnell erkennen, dass man betroffen ist und ärztliche Hilfe braucht? „Hat man eine Lungenentzündung, kommen zu den grippeähnlichen beziehungsweise erkältungsähnlichen Symptomen vom trockenen Husten bis hin zum Fieber noch weitere Beschwerden dazu“, erklärt Stelzmüller. Das können vor allem Schmerzen im Brustkorb oder Geräusche beim Atmen sein. „Oft wird es zusätzlich immer schwieriger, Luft zu bekommen, wodurch sich die Atemfrequenz erhöht, also das Atmen automatisch schneller wird.“ Spätestens dann sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Röntgen bringt Gewissheit

Der Arzt erkennt oft schon aufgrund der Schilderungen des Krankheitsverlaufs und durch ein Abhorchen der Lunge, ob das Atemorgan entzündet sein könnte. „Um die Diagnose abzusichern, muss aber noch ein Lungenröntgen gemacht werden“, nennt Stelzmüller den nächsten Schritt. Mit dem bildgebenden Verfahren können die Entzündungen meist gut sichtbar gemacht werden. Bestätigt sich der Verdacht auf eine Lungenentzündung, kann noch die Sauerstoffsättigung des Bluts gemessen werden. Das geschieht anhand eines Bluttropfens, der durch einen Stich in den Finger gewonnen wird. „Ist die Sauerstoffsättigung schlecht, der Patient schon älter oder chronisch krank und hat er niemanden, der sich zuhause um ihn kümmert, wird er ins Spital eingewiesen“, so Stelzmüller. Je nach Schwere der Erkrankung müssen Betroffene unter Umständen sogar eine Zeit lang auf der Intensivstation behandelt werden.

Bettruhe und Antibiotika

Aber auch für jene, die ihre Lungenentzündung daheim auskurieren können, gilt: Bettruhe und körperliche Schonung sind das Um und Auf in der Behandlung der Pneumonie. In manchen Fällen werden fiebersenkende Mittel gegeben, in allen Fällen aber gilt: „Bei einer Lungenentzündung müssen immer Antibiotika genommen werden“, betont Stelzmüller, Medikamente also, mit denen Bakterien abgetötet werden.
Schließlich werden die meisten Lungenentzündungen durch Bakterien verursacht, vor allem durch Pneumokokken. Übertragen werden Pneumokokken über eine Tröpfcheninfektion, also durch die Verbreitung von infiziertem Schleim und Sekret beim Husten, Niesen oder Sprechen. „Lungenentzündungen können aber auch durch eine Virusinfektion hervorgerufen werden“, so Stelzmüller. Nicht selten kommt dann eine bakterielle Infektion hinzu, die das Leiden erschwert.

Impfung für Alt und Jung

Wie kann man sich vor einer Lungenentzündung schützen? Medizinerin Stelzmüller empfiehlt allen Über-50-Jährigen und Menschen jeden Alters, die durch eine chronische Erkrankung geschwächt sind, sich gegen die hauptsächlichen Überträger der Lungenentzündung, die Pneumokokken, impfen zu lassen. Für Erwachsene stehen derzeit zwei verschiedene Pneumokokken-Impfstoffe zur Verfügung. Im Österreichischen Impfplan ist darüber hinaus vorgesehen, dass Säuglinge und kleine Kinder gratis gegen Pneumokokken geimpft werden. Expertin Stelzmüller rät dringend dazu, dieses Angebot in Anspruch zu nehmen, denn: „Die Kleinen sind nicht nur selbst gefährdet, sondern sie stecken auch häufig Erwachsene in ihrer Umgebung an.“ Durch die Impfungen kann, so Expertin Stelzmüller, zwar nicht ausgeschlossen werden, dass man sich infiziert, doch sollte es zur Erkrankung kommen, verläuft diese zumindest weniger schwer und ist daher weniger gefährlich. Eine weitere wichtige Vorbeugungsmaßnahme ist laut Stelzmüller die Hygiene: „Vor allem in der Erkältungs- und Grippezeit sollte man sich so oft wie möglich die Hände waschen, denn sehr oft werden die Erreger über die Hände übertragen.“

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Die 5 wichtigsten Warnzeichen:
Wann muss ich zum Arzt?

  • Grippesymptome treten auf: plötzliches hohes Fieber, trockener Husten, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen. Zusätzlich können beim Husten Schmerzen im Brustkorb auftreten.
  • Aus dem trockenen Husten entwickelt sich ein sogenannter produktiver Husten mit Schleimauswurf, wobei der Schleim gelblich grün, aber auch rötlich sein kann.
  • Der Brustkorb schmerzt auch ohne Husten.
  • Beim Atmen treten Geräusche auf.
  • Man bekommt schwerer Luft als normalerweise, die Atemfrequenz erhöht sich.

Gefährliche Erreger:
Was sind Pneumokokken?

Pneumokokken sind Bakterien, die den Nasen-Rachen-Raum von vielen Menschen besiedeln, ohne sie unmittelbar krank zu machen. Von diesen Trägern gelangen die Pneumokokken über eine Tröpfcheninfektion etwa beim Husten, Niesen, Sprechen zu anderen Menschen. Besonders für Säuglinge, Kleinkinder, Ältere und chronisch Kranke kann eine Infektion lebensgefährlich werden.
Pneumokokken sind nicht nur die weitaus häufigste Ursache für Lungenentzündungen, sie können auch andere Erkrankungen wie Gehirnhautentzündungen, Mittelohrentzündungen oder Blutvergiftungen auslösen.

Stand 12/2013

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