Hautpflege im Winter

November 2016 | Kosmetik & Pflege

Braucht die Haut im Winter besondere Pflege? Gibt es Hautareale, die eine Extra-Pflege benötigen? Warum muss die Haut vor Kälte geschützt werden? Fragen wie diese zur richtigen Pflege der Haut in der kalten Jahreszeit beantwortet Univ. Prof. Dr. Ichiro Okamoto von der Abteilung für Allgemeine Dermatologie an der Medizinischen Universität Wien für MEDIZIN populär.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

MEDIZIN populär
Braucht die Haut im Winter, wenn es draußen oft kalt ist und drinnen trockene Heizungsluft herrscht, besondere Pflege?

Univ. Prof. Dr. Ichiro Okamoto
Das hängt von der persönlichen Hautbeschaffenheit ab. Aber generell, also bei den meisten Menschen, ist es so, dass in der kalten Jahreszeit die Kälte und oft geringe Luftfeuchtigkeit draußen und die künstliche, warme und ebenfalls trockene Heizungsluft im Rauminneren der Haut zusetzen. Die Haut wird trockener und empfindlicher, braucht daher auch mehr Aufmerksamkeit und meist eine andere Pflege als in der warmen Jahreszeit.

Worauf sollte man bei der Wahl der Pflegeprodukte achten?

Wer eher flüssige Lotionen oder Cremes verwendet, die einen höheren Wassergehalt als Ölgehalt haben, und bemerkt, dass die Haut trockener wird, sollte umsteigen. Ölhaltige Salben mit einem größeren Ölgehalt als Wassergehalt sind dann die bessere Wahl.

Wie werden diese Salben am besten verwendet?

Direkt nach dem Waschen eine dünne Schicht, morgens und abends aufgetragen, reicht für das Gesicht. Auf die Haut am übrigen Körper, vor allem an den Armen und Beinen, kann man die Pflegeprodukte etwas dicker auftragen, denn Pullover, Hosen und Strumpfhosen trocknen durch die ständige Reibung auf der Haut und das An- und Ausziehen die Haut noch zusätzlich aus. Abends vor dem Schlafengehen noch einmal die Hände, Ellenbogen und die Schienbeine einzucremen, beugt rauen, schuppenden und juckenden Hautstellen vor.

Gibt es noch weitere Hautareale, die eine Extra-Pflege benötigen?

Wenn die Hände im Winter trocken oder sogar rissig werden und die Fingernägel brüchig, was ebenfalls bei vielen der Fall ist, empfiehlt es sich, die Hände nach jedem Händewaschen gut einzucremen. Sind die Füße betroffen, wo die Haut an den Fersen und im Bereich der Zehen zu Trockenheit neigt, sollte man die Füße abends immer dick mit einer Salbe eincremen, Socken anziehen und die Creme über Nacht einziehen lassen. Eine dicke Hornschicht an den Füßen machen Produkte, die Harnstoff enthalten, dünner und weicher.

Was, wenn diese Mittel nicht ausreichen?

Dann sollte man einen Hautarzt aufsuchen, der medizinische Produkte für die Reinigung und Pflege der Haut verordnen und auch feststellen kann, ob eine Hauterkrankung hinter den Problemen steckt, wie zum Beispiel Trockenheitsekzeme oder Psoriasis, die Schuppenflechte.

Sollte man im Winter auch andere Reinigungsprodukte verwenden?

Grundsätzlich sollte man milde und nicht stark entfettende Reinigungsprodukte verwenden, die sich nicht abhängig von der Jahreszeit zu unterscheiden brauchen. Die Reinigungsprodukte sollten eher individuellen Ansprüchen angepasst sein.

Darf man auch einmal ein Bad nehmen?

Duschen ist auf jeden Fall hautfreundlicher, aber einmal in der Woche ein Bad in der Wanne zu nehmen und dem Wasser ein Badeöl zuzusetzen, tut trockener und empfindlicher Winterhaut sogar gut.

Was hilft, wenn die Kopfhaut trocken wird und sich schuppt?

Die Ursachen dafür sind vielfältig. Häufig hilft es, die Haare öfter zu waschen als sonst. Wenn das nichts nützt, sollte man das Problem von einem Hautarzt abklären lassen.

Warum muss die Haut im Winter vor der Kälte geschützt werden?

Kälte hat mannigfaltige Wirkungen auf die Haut. Sie kann die Beschaffenheit der obersten Hornschicht verändern. Durch Kälte ziehen sich die Blutgefäße nahe der Hautoberfläche zusammen. Das hat den Sinn, dass das Blut vermehrt im Körperinneren gehalten wird und die dortigen lebenswichtigen Organe ihre Betriebstemperatur behalten. Für die Haut bedeutet die geringere Durchblutung, dass sie mit weniger Nährstoffen und Sauerstoff versorgt wird. Das setzt ihr auf Dauer zu. Wer sich länger bei großer Kälte im Freien aufhält, zum Beispiel während Wintersportaktivitäten, sollte die Haut daher mit guten Kälteschutzcremes schützen. Dies gilt verstärkt bei empfindlicher Haut und für Kleinkinder. Denn kleine Kinder haben eine dünnere und kälteempfindlichere Haut als Erwachsene.

Wenn auch eine Sonnencreme nötig ist, gibt man die dann zusätzlich zur Kälteschutzcreme auf die Haut?

Ja, man kann die Cremes kombinieren. Sonnenschutz ist vor allem in den Bergen auch dann wichtig, wenn die Sonne hinter Wolken versteckt ist, denn aufgrund der Höhe und Reflexion durch den Schnee ist die Bestrahlung intensiver.

Brauchen die Lippen im Winter draußen einen besonderen Schutz oder besondere Pflege?

Für die verhältnismäßig dünne Haut an den Lippen eignet sich eine Lippenpomade.

Setzt auch der Wechsel von der Kälte in die Wärme der Haut zu?

Nein, der Wechsel aus der kalten Winterluft in geheizte Raumluft ist für die Haut eher eine Erholung. Nur bei vorbestehenden Hautkrankheiten wie zum Beispiel Rosazea, bei der die feinen Adern im Gesicht geweitet sind, kann der Wechsel dazu führen, dass sich das Gesicht plötzlich stark rötet.

Muss man die Haut auch dann schützen, wenn es sehr windig ist?

Der Wind verstärkt die Kälte, ein Effekt, der auch Chill-Faktor genannt wird. Da kann es sein, dass auch bei für den Winter eigentlich höheren Temperaturen über fünf Grad plus eine Kälteschutzcreme nötig ist.

Welche Maßnahmen kann man noch ergreifen, um der Haut im Winter Gutes zu tun?

Man kann auch neben der richtigen Pflege einiges tun: Zum Beispiel in Räumen mit trockener Heizungsluft einen Luftbefeuchter aufstellen. Außerdem sollte man darauf achten, möglichst Kleidung zu tragen, die innen keine raue Oberfläche hat, wie zum Beispiel Strickpullover, sondern eine glatte. Auch wenn die Kleidung nicht so eng ist und nicht direkt auf der Haut aufliegt, ist das für die ohnehin bereits belastete Haut besser. Häufig werden auch Heizradiatoren so aufgestellt, dass die heiße Luft direkt auf die Schienbeine strömt. Darunter leidet die dort ja sehr dünne und sehr empfindliche Haut. Die Gefahr für Trockenheitsekzeme ist groß, und es wird auch vermutet, dass durch die Hitzeeinwirkung Venenleiden verschlimmert werden. Man sollte die Radiatoren also etwas weiter weg stellen.

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Welche Hauterkrankungen entstehen häufig im Winter oder verschlimmern sich in der kalten Jahreszeit?

  • Trockenheitsekzeme bzw. seborrhoische Dermatitis – schuld sind die trockene Heizungsluft und die oft auch draußen trockene Luft.
  • Akne, da weniger Sonne auf die Haut gelangt – die UV-Strahlen wirken entzündungshemmend und dämmen die Hauterkrankung ein.
  • Schuppenflechte bzw. Psoriasis – schuld ist die Lufttrockenheit.

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Was braucht die Haut im Winter?
10 Tipps von Univ. Prof. Dr. Ichiro Okamoto

  • Die Haut mit milden, schonenden Mitteln reinigen.
  • Beim Duschen und Baden ölhaltige Produkte verwenden.
  • Gute Salben, Lotionen oder Öle verwenden, die einen höheren Öl- als Wasseranteil haben.
  • Auf das Gesicht eine dünne Schicht auftragen, auf Arme und Beine, vor allem Schienbeine, eine dickere Schicht.
  • Trockene, rissige Haut an den Füßen oder Ellenbogen vor dem Schlafengehen eincremen und die Creme über Nacht einwirken lassen.
  • Bei trockenen Händen und brüchigen Nägeln Hände nach dem Händewaschen eincremen.
  • Einmal pro Woche ein Bad mit ölhaltigen Badezusätzen nehmen.
  • Kleidung tragen, die innen eine glatte Oberfläche hat und nicht eng anliegt.
  • Bei längeren Aufenthalten im Freien und niedrigen Temperaturen, z.B. während Wintersportaktivitäten, Cremes benützen, die vor der Kälte und Sonne schützen und die Lippen mit einer Lippenpomade pflegen.
  • In geheizten Räumen Luftbefeuchter verwenden, den Luftstrom aus Heizradiatoren nicht direkt auf die Schienbeine richten.

 

Stand 11/2016

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