Gut zu Fuss

Mai 2019 | Fitness & Entspannung

Was bei der Wahl des richtigen Sportschuhs zu beachten ist, und warum spezielle Einlagen durchaus Sinn machen.
 
-Von Mag. Wolfgang Bauer

Ob Bergsteigen, Laufen, Tennis oder Gymnastik, ob Gelände oder Halle: Für jede Sportart gibt es spezielle Schuhe. „Mit dem richtigen Schuh für die jeweilige Aktivität lassen sich gesundheitliche Probleme wie Schmerzen und Überlastungsbeschwerden vermeiden“, betont Prof. Dr. Harald Effenberger, Orthopäde in Bischofshofen (Salzburg). Daher hält er von einem Allroundschuh, und sei er noch so bequem, nicht sehr viel – außer man benützt ihn ausschließlich als Freizeitschuh. Vor allem dann nicht, wenn jemand intensiven Sport betreibt. „Je stärker die Belastung, desto sportartspezifischer sollte der Schuh sein“, so der Orthopäde.

Das heißt: Wenn zum Beispiel jemand mehrmals pro Woche läuft, dann sollte er …

  • … für einen Lauf im Gelände, auf Wald- und Wanderwegen einen stabileren Trial-Schuh mit griffiger Sohle verwenden.
  • … auf hartem Untergrund zu einem dämpfenden Neutralschuh bzw. Wettkampfschuh greifen.

Läufer, die das Gefühl des Barfußlaufens erleben möchten (natural running), sollten einen minimalistischen Laufschuh oder sogar einen Barfußschuh bevorzugen.
Andererseits sind für Bergwanderungen stabile, knöchelhohe und trittsichere Schuhe nötig.

Wichtige Laufanalyse

Apropos Laufschuhe: Für deren Kauf empfiehlt Prof. Effenberger eine statische Fuß- sowie eine dynamische Gang- bzw. Laufanalyse in einem Fachgeschäft. Auf (einfachen) Messplatten wird zuerst die Fußform – normal, Knick-/Senk- oder Hohlfuß – ermittelt. Dann geht bzw. läuft man auf einem Laufband, im ersten Schritt barfuß, dann mit dem Sportschuh, und ermittelt so die Fußreaktionen. Daraus wird ersichtlich, ob der Fuß beim Aufsetzen nach innen knickt (auch Pronation genannt).
Danach folgt der Test mit jenen Laufschuhen, die man ausgewählt hat, um zu sehen, ob der Schuh den Fuß entsprechend korrigiert. ­Zudem ist die Beinachse – O-Bein (Varus-Stellung) oder X-Bein (Valgus-Stellung) – zu berücksichtigen. Belastungsschmerzen an der Innenseite des Kniegelenkes, eventuell bedingt durch Abnützung des Knorpels (Arthrose) oder des Meniskus, können z. B. durch eine äußere Erhöhung der Einlage gelindert werden.
Ebenfalls wichtig: bei Lauf- und anderen Sportschuhen auf die entsprechende Größe bzw. Länge und ausreichende Breite im Vorfußbereich achten. „Vergessen Sie Ihre von den Halbschuhen gewohnte Größe!“, rät Orthopäde Effenberger. „Es kann nämlich durchaus sein, dass der Sportschuh, der gut passt, eine halbe oder ganze Nummer größer ist als Ihr Halbschuh. Vertrauen Sie Ihrem Gefühl beim Anprobieren und Ihrer bisherigen Erfahrung!“ Der Schuh darf keinesfalls zu klein sein, um Zehenprobleme zu vermeiden.

Sporteinlagen verwenden

Sommersportschuhe haben auch ein Innenleben. Gemeint sind Schaumstoffpolsterungen, die sich im Schuh befinden. Diese sollte man herausnehmen und durch orthopädietechnisch gefertigte Einlagen, sogenannte Sporteinlagen aus Kork (fürs Wandern, Walken, etc.) oder Schaumstoff (fürs Laufen) ersetzen. Und zwar auch dann, wenn keine Beschwerden vorliegen, wie Harald Effenberger empfiehlt: „Sporteinlagen stellen eine fußgerechte Versorgung dar, die an die ana­tomischen Fußverhältnisse angepasst ist.“

Sport trotz auffälliger Fußformen

Eine Versorgung mit speziellen Einlagen und anderen Hilfsmitteln hält Effenberger für besonders wichtig, wenn Sportler auffällige Fuß- oder Zehenformen wie einen Knick-, Senk-, Spreizfuß oder Hammerzehen aufweisen.
Nach fachärztlicher orthopädischer Untersuchung und Verschreibung erhält man bei Beschwerden oder Fußfehlstellungen Einlagen – unter Berücksichtigung des Selbstbehalts – von der Krankenkasse. Sporteinlagen sind selbst zu bezahlen, sie sind in Sanitätshäusern bzw. Fachgeschäften erhältlich. Diese Hilfsmittel verwenden Sportler während der Sportausübung, dem Training oder auch dem Wettkampf. „Fehlstellungen sind kein Grund, auf Sport zu verzichten. Aber falls jemand deshalb Belastungsbeschwerden hat, sollten diese vorher um­fassend abgeklärt werden“, so die Devise des Orthopäden Harald Effenberger.

Barfuß zum Regenerieren

Um den genannten Fußfehlstellungen vorzubeugen, oder einfach nur, um den Füßen etwas „Freiheit“ zu gönnen, hat Harald Effenberger einen einfachen Tipp: gelegentlich die Schuhe auszuziehen und barfuß zu gehen oder zu laufen – etwa am Sandstrand oder auf dem Rasen. Das trainiert die Fuß- und Wadenmuskulatur, stimuliert den Organismus wie eine Reflexzonenmassage und hat einen durchblutungsfördernden Effekt, den Pfarrer Sebastian Kneipp bereits geschätzt hat. „Es gibt vielerorts Barfußwege, die für diese Zwecke angelegt wurden. Eine ausgezeichnete Möglichkeit, den Füßen im Sommer etwas Gutes zu tun“, fasst der Orthopäde zusammen.

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Bergsteigen & Wandern: Wenn der Schuh drückt

Druckstellen und Blasen machen jeden Schritt zur Qual. Warum es sich auszahlt, sich vor einer Wanderung eingehend mit geeignetem Schuhwerk zu beschäftigen, erklärt die Bergführerin und ehrenamtlich tätige Bergretterin Mag. Gundula Tackner aus Hohentauern in der Steiermark:

MEDIZIN populär
Was macht Ihren Kunden am meisten zu schaffen, wenn Sie mit ihnen in den Bergen unterwegs sind?

Mag. Gundula Tackner
Häufig sind es Probleme mit den Schuhen. Manchmal klagen meine Kunden über Druckstellen, Blasen, oder auch über ein Brennen auf den Fußsohlen. Beschwerden, die das Tour-Erlebnis gehörig beeinträchtigen können.

Gibt es eine Erklärung für diese Probleme?
Oft liegt es daran, dass die Schuhe neu und nicht gut eingegangen sind. Manchmal ist auch genau das Gegenteil der Fall: Die Schuhe sind bereits in die Jahre gekommen, sind „ausgelatscht“, wie man so schön sagt, und bieten zu wenig Stabilität, etwa beim Bergabgehen.

Checken Sie vor der Wanderung auch die Schuhe Ihrer Kunden?
Ja, klar, so ist es zum Beispiel enorm wichtig, dass man an den Bergschuhen Steigeisen befestigen kann, wenn wir uns in die Gletscherregion begeben.

Haben Sie selbst unterschiedliche Schuhe zum Führen?
Ja, zum Beispiel eng anliegende Kletterschuhe, oder bequeme und stabile Trekkingschuhe für mehrwöchige Trekkingtouren. Oder die genannten steigeisensicheren Schuhe, um die Kunden auf den Großglockner oder den Mont Blanc führen zu können. Mir ist dabei wichtig, dass ein Schuh meine Füße auch entsprechend warm hält, wenn ich stundenlang auf Gletschern oder im Schnee unterwegs bin.

Empfehlen Sie die Verwendung von Blasenpflaster?
Wenn jemand weiß, dass Berg- oder Wanderschuhe zu Scheuerstellen oder Blasen führen, dann ist es sicher ratsam, diese Problemstellen vorsorglich mit speziellen Pflastern abzudecken. Wenn ein Schuh neu ist, dann versuche ich erst einmal einige Tagestouren mit ihm, bevor ich ihn für mehrtägige Touren verwende. Das beugt der Blasenbildung vor, ebenso die Wahl der richtigen Wandersocken. Es macht sich bezahlt, sich in diesem Bereich im Fachhandel schlau zu machen. Denn es ist ein Unterschied, ob ich Socken für kurze Winterwanderungen an kalten Tagen benötige, oder Trekkingsocken für mehrtägige Touren mit schwerem Gepäck. In diesem Fall ist eine gute Polsterung der Socken hilfreich.

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Das hilft bei folgenden Fehlstellungen:

  • … eine Längsgewölbestütze ge­gebenenfalls mit Randerhöhung (vorwiegend) im Fersenbereich bei einem Knick-Senk-Fuß bzw. bei Sehnenbeschwerden,
  • … eine Fersenpolsterung bei ­einem Fersensporn,
  • … eine Fersenerhöhung bzw. -dämpfung bei Achillessehnenbeschwerden,
  • … eine Mittelfußleiste zur Entlastung des Vorfußes bei einem Spreizfuß und/oder bei vermehrter Hornhautbildung,
  • … eine Stütze des Großzehengrundgelenks bei Arthrose,
  • … eine Zehenleiste bei Zehenfehlstellungen,
  • … eine Ballenrolle bei Fußwurzel- oder Sprunggelenksarthrosen.


Häufige Fußfehlbildungen:

  • Hohlfuß. Es kommt zu einer starken Wölbung des Fußlängsgewölbes und dadurch zu einer Belas­tung des Vorfußes und des Sprunggelenks.
  • Spreizfuß. Ist die häufigste Fußfehlstellung. Das Quergewölbe des Vorfußes wird nach unten gedrückt, der Fuß wird breiter. 
  • Senkfuß. Bei dieser Fehlstellung kommt es zum Absinken des Längsgewölbes zwischen Vorfuß und Ferse.
  • Plattfuß. Ist eine Verstärkung des Senkfußes, wobei das Fußlängsgewölbe platt aufliegt.
  • Hallux valgus. Die große Zehe weicht nach außen ab, das Grundgelenk zeigt eine Vergrößerung bzw. Verbreiterung.
  • Fersensporn. Ist eine Verknöcherung an der Unterseite des Fersenbeins. Bei Belastung (Abrollen) des Fußes wird die Fußsohlenfaszie gereizt.

 

Stand 06/2019

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