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Hohe psychische Belastung bei pflegenden Angehörigen

Wer einen nahestehenden Menschen pflegt, stellt die eigenen Bedürfnisse oft zurück. Dabei können die Betreuung und die damit verbundene Verantwortung psychisch sehr belastend sein.

Eine Auswertung von 29 Studien mit insgesamt mehr als 81.000 pflegenden Angehörigen zeigt, dass viele Betroffene Unterstützung benötigen, entsprechende Angebote aber nicht immer nutzen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Psychology & Health“ veröffentlicht.

Eigene Bedürfnisse zurückstellen

So wünschte sich jede dritte befragte Person eine Beratung zu möglichen Hilfsangeboten. Tatsächlich nahm jedoch weniger als jede sechste eine solche Beratung in Anspruch. Unterstützung benötigten die Angehörigen unter anderem beim Umgang mit Verlust, Ungewissheit und Schuldgefühlen. „Pflegende Angehörige neigen dazu, die Bedürfnisse der von ihnen betreuten Person über ihre eigenen zu stellen“, erklärte Studien-Erstautorin Hannah Isaac von der Universität Sydney. Besonders wenn sich der Gesundheitszustand der betreuten Person verschlechtert, würden Pflegende ihre eigenen psychischen Belastungen mitunter herunterspielen. Gerade in solchen Phasen könne psychologische Unterstützung hilfreich sein.

Vor allem Frauen übernehmen die Pflege

Das australische Forschungsteam wertete 29 Studien aus Europa, den USA, Kanada und Australien aus, die in den vergangenen 20 Jahren durchgeführt worden waren. Im Mittelpunkt standen überwiegend Frauen, die ihren Ehemann oder Partner mit einer chronischen Erkrankung betreuten. Häufig handelte es sich um Krebserkrankungen, aber auch Herzerkrankungen, Parkinson und die Folgen eines Schlaganfalls spielten eine Rolle.

Neben psychologischer Beratung wünschten sich viele Betroffene Unterstützung dabei, soziale Kontakte aufrechtzuerhalten, persönliche Interessen an die neue Lebenssituation anzupassen und mit Veränderungen in ihrer Partnerschaft und Sexualität umzugehen. Rund 40 Prozent zeigten Interesse an staatlichen Unterstützungsangeboten, etwa einer Telefonhotline oder Informationen zu bestimmten Erkrankungen. Genutzt hatten solche Angebote allerdings nur etwa zehn Prozent.

Unterstützung kann Pflege erleichtern

Die Forscherinnen und Forscher sprechen sich dafür aus, pflegende Angehörige regelmäßig nach ihrer psychischen Belastung und ihrem Unterstützungsbedarf zu fragen. Psychische Beschwerden wie Depressionen und Angstzustände könnten bei pflegenden Angehörigen häufiger auftreten als in der Allgemeinbevölkerung. Ob und wie stark jemand belastet sei, könne jedoch individuell sehr unterschiedlich sein. Fehlende Unterstützung kann es den Betroffenen erschweren, auf Dauer für sich selbst zu sorgen und die Pflege zu bewältigen.


Fotos: istock/A-digit

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