Ein Schlaganfall tritt ganz plötzlich auf. Rasches Handeln ist gefragt, um die Folgen so gering wie möglich zu halten.
Von Karin Schrammel
„Time is brain, jede Minute zählt!“
Weltweit ist der Schlaganfall die zweithäufigste Todesursache und eine der häufigen Ursachen von Behinderung. In Österreich erleiden jährlich über 20.000 Menschen in Österreich einen Schlaganfall oder eine transitorische ischämische Attacke (TIA).
Die TIA ist eine plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn, bei der die Symptome nach kurzer Zeit (meist unter einer Stunde) von selbst verschwinden. Sie wird daher oft als „Mini-Schlaganfall“ oder Vorbote bezeichnet. Beides sind aber medizinische Notfälle! Auch wenn bei der TIA die Beschwerden schnell vorübergehen, besteht ein Risiko für einen darauffolgenden schwereren Schlaganfall.
Bei den ersten Anzeichen wie einem Gefühl von Taubheit auf einer Körperseite, plötzlich einsetzender Gesichtslähmung wie etwa hängende Mundwinkel, Sehstörungen oder unverständlicher Sprache sollte man rasch reagieren. „Rufen Sie sofort die Rettung!“, sagt Oberärztin Dr. Claudia Innerhofer, „und fahren Sie auf keinen Fall auf eigene Faust in ein Klinikum. Die Akutbehandlung eines Schlaganfalls muss umgehend in einer spezialisierten Schlaganfalleinheit, einer Stroke Unit, erfolgen.“ Die Fachärztin für Neurologie leitet die Stroke Unit in der Wiener Klinik Donaustadt.
Jede Minute zählt
Ausgelöst wird ein Schlaganfall in rund 80 Prozent der Fälle durch einen Verschluss einer Arterie im Gehirn, sagt die Neurologin: „Das Gerinnsel entsteht oft im Herzen, zum Beispiel bei Vorhofflimmern, und wird ins Gehirn geschwemmt.“ Dies bezeichnet man als ischämischen Schlaganfall. Auch Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) ist ein Risikofaktor: Ablagerungen an den Innenwänden verengen hirnversorgende Gefäße schleichend oder verschließen sie ganz. Seltener liegt dem Schlaganfall eine Hirnblutung durch Einriss eines Gefäßes im Gehirn zugrunde (hämorrhagischer Schlaganfall).
Mit dem Auftreten des Gefäßverschlusses, der den typischen Schlaganfall auslöst, gehen im Schnitt 1,9 Millionen Nervenzellen pro Minute zugrunde. Die Zeit ist also der wesentlichste Faktor. „Die größte Chance, den Schlaganfall effektiv zu behandeln, besteht innerhalb der ersten Stunden nach dem Beginn der Symptome“, weiß Claudia Innerhofer.
„Time is brain, jede Minute zählt! Je schneller die Behandlung beginnt, desto größer sind die Chancen, Schäden im Gehirn zu vermeiden beziehungsweise in geringerem Ausmaß zu halten.“
Die Standard-Akuttherapie ist die sogenannte Thrombolyse, erklärt die Neurologin: „Dabei wird das Blutgerinnsel, das die Hirnarterie verstopft, mit Hilfe eines intravenös verabreichten Medikamentes aufgelöst. Wenn eine größere Arterie von einem Verschluss betroffen ist, kann das Gerinnsel mit einem Katheter entfernt werden – die mechanische Thrombektomie.“ Häufig werden beide Methoden kombiniert. Eine Notfalloperation ist bei einem Schlaganfall eher selten erforderlich.
Die Behandlung hat zum Ziel, das geschädigte Hirnareal möglichst zu begrenzen und bleibende Defizite weitgehend zu vermeiden. Was nicht immer gelingt, sagt Claudia Innerhofer: „Viele Schlaganfallpatientinnen und -patienten haben nachher ein gewisses Defizit, wie etwa anhaltende Lähmungen oder Sprachstörungen. Daher sollte man mit der Rehabilitation möglichst früh beginnen, denn mit Logopädie, Physiotherapie und anderen Therapiemethoden kann man Defizite gezielt verbessern.“
Bei der transitorischen ischämischen Attacke (TIA) gibt es eine Reihe von Behandlungsmöglichkeiten, um einem weiteren Schlaganfall vorzubeugen, sagt Innerhofer: „Zum Einsatz kommen etwa Medikamente, um die Verklumpung der Blutplättchen zu hemmen.“
Risikofaktoren
Ärztinnen und Ärzte versuchen bei jeder und jedem Betroffenen, bestehende Ursachen und Risikofaktoren für einen weiteren Schlaganfall zu beseitigen oder zumindest zu reduzieren, um einem weiteren Schlaganfall vorzubeugen. „Ein Schlaganfall bedeutet in den meisten Fällen eine lebenslange Medikamenteneinnahme. Aber auch nicht-medikamentöse Maßnahmen sind wichtig für die Sekundärprophylaxe. Wichtig ist die Mithilfe der Betroffenen.“
Blickt man auf die Liste der Risikofaktoren, hat man einiges selber in der Hand: Bluthochdruck gilt als ein wichtiger Risikofaktor, da er die Gefäßwände dauerhaft schädigt. Auch Herzerkrankungen, insbesondere Vorhofflimmern, begünstigt die Bildung von Blutgerinnseln im Herzen.
Diabetes mellitus und erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin) sind weitere Risikofaktoren, genauso wie ein ungesunder Lebensstil mit Rauchen, starkem Übergewicht, Bewegungsmangel und übermäßigem Alkoholkonsum. „Die klassischen kardiovaskulären Risikofaktoren sollte man vermeiden und auf einen gesunden Lebensstil achten“, sagt Neurologin Innerhofer. Zudem empfiehlt sie regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und kardiologische Kontrollen. „Denn wer sein Risiko kennt, kann vorbeugend handeln.“
Anzeichen und Symptome
Ausfallserscheinungen durch einen Schlaganfall beginnen meist plötzlich, innerhalb von Sekunden bis Minuten. Typische Anzeichen sind (einzeln oder in Kombination):
- plötzlich einsetzende Schwäche oder ein Gefühl von Taubheit auf einer Körperseite (vollständig oder teilweise)
- plötzlich einsetzende Gesichtslähmung wie etwa hängende Mundwinkel
- unverständliche oder undeutliche Sprache
- Sehstörungen wie Blindheit auf einem Auge, halbseitige Sehstörungen, Doppeltsehen
- plötzliche sehr starke Kopfschmerzen, sogenannter Vernichtungskopfschmerz
- plötzliche Bewusstlosigkeit
Auf die Anzeichen eines Schlaganfalls sollte man schnell reagieren: Handeln Sie rasch und rufen Sie die Rettung: 144
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