Krebserkrankungen, Neurologie & Psyche

Krebs belastet auch Psyche

Bei einer Krebserkrankung stehen meist die Behandlung und medizinische Fortschritte im Mittelpunkt. Die psychische Belastung der Betroffenen wird dagegen oft übersehen.

Eine neue Studie von Wiener Wissenschaftern zeigt, wie groß dieses Problem ist: Etwa ein Drittel der untersuchten Krebspatienten weist Anzeichen einer möglichen posttraumatischen Belastungsstörung auf. In Österreich leben rund 400.000 Menschen mit einer Krebsdiagnose. Für viele bedeutet die Erkrankung nicht nur eine körperliche, sondern auch eine große seelische Herausforderung.

Frauen mit Brustkrebs besonders häufig betroffen

Für die Studie befragten Amelie Fuchs von der Klinischen Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie der MedUni Wien und ihre Kollegen insgesamt 4.013 Patienten, die ambulant wegen einer Krebserkrankung oder einer bösartigen Bluterkrankung behandelt wurden. Zusätzlich erfassten sie persönliche, medizinische und soziale Faktoren der Betroffenen.

Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Epidemiology and Psychiatric Sciences“ veröffentlicht. Bei 32,5 Prozent der Teilnehmer gab es Hinweise auf eine mögliche posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Besonders häufig zeigten sich solche Anzeichen bei Frauen mit Brustkrebs: Hier lag der Anteil bei 39,7 Prozent. Bei Tumoren der weiblichen Geschlechtsorgane waren es 37,2 Prozent, bei Kopf-Hals-Tumoren 36,1 Prozent.

Frauen und Jüngere stärker belastet

Insgesamt waren Frauen häufiger von den psychischen Belastungen betroffen als Männer. Auch jüngere Patienten und Menschen mit geringem Einkommen zeigten öfter entsprechende Anzeichen. Die Studienautoren betonen, dass posttraumatische Belastungssymptome bei Krebspatienten ein bedeutendes, aber oft unterschätztes Problem sind.

Bisher gibt es nur wenige umfassende Untersuchungen dazu, wie häufig diese Beschwerden bei unterschiedlichen Krebsarten auftreten. Die Wissenschafterinnen und Wissenschaftler sprechen sich deshalb dafür aus, alle Menschen mit einer Krebsdiagnose auch auf mögliche psychische Belastungen zu untersuchen. Zudem sollte die Krebsversorgung stärker berücksichtigen, dass die Erkrankung traumatischen Stress auslösen kann. So könnten Betroffene, die neben ihrer körperlichen Erkrankung auch seelisch stark leiden, früher erkannt und gezielt unterstützt werden.


Fotos: istock/Drazen_

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