Krebserkrankungen

Wie das eigene Immunsystem gegen Krebs kämpft

Die CAR-T-Zelltherapie eröffnet Menschen mit bestimmten Formen von Blutkrebs neue Behandlungsmöglichkeiten. Dabei werden körpereigene Abwehrzellen so verändert, dass sie Krebszellen erkennen und bekämpfen können.

Erste Langzeitdaten zeigen vielversprechende Ergebnisse: Manche Patientinnen und Patienten könnten dauerhaft krankheitsfrei bleiben. „Jetzt können wir plötzlich sozusagen das eigene Immunsystem scharf stellen“, sagt Annkristin Heine, Leiterin der Klinischen Abteilung für Hämatologie an der Medizinischen Universität Graz.

Wie funktioniert die CAR-T-Zelltherapie?

Für die Behandlung werden bestimmte Abwehrzellen, sogenannte T-Zellen, aus dem Blut der Betroffenen entnommen. In einem spezialisierten Labor werden sie gentechnisch verändert. Dadurch können sie bestimmte Krebszellen gezielt erkennen und angreifen. Anschließend werden die veränderten Zellen über eine Infusion in den Körper zurückgegeben. Dort können sie sich vermehren und die Krebszellen bekämpfen.

Die Therapie kommt bei bestimmten Formen von Blutkrebs zum Einsatz, darunter Lymphome, bestimmte Leukämien und beim Multiplen Myelom. In Österreich gibt es acht auf diese Behandlung spezialisierte Spitäler. Im Jahr 2024 wurden hierzulande rund 150 CAR-T-Zelltherapien durchgeführt. Ein besonderer Vorteil der CAR-T-Zelltherapie ist, dass die veränderten Abwehrzellen längere Zeit im Körper bleiben und sich weiter vermehren können. So sind sie in der Lage, Krebszellen auch nach der Infusion zu bekämpfen. Die Behandlung kann insbesondere für Menschen eine Chance sein, bei denen andere Therapien nicht ausreichend geholfen haben.

Weitere Forschungen

Erste Langzeitdaten machen Hoffnung: Bei Patientinnen und Patienten mit aggressiven B-Zell-Lymphomen lag das geschätzte krankheitsfreie Überleben nach zehn Jahren bei 32 Prozent. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass manche Patientinnen und Patienten möglicherweise sogar geheilt werden können. Das gilt allerdings nicht für alle Behandelten.

Bislang wird die CAR-T-Zelltherapie häufig erst eingesetzt, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend gewirkt haben oder die Erkrankung zurückgekehrt ist. In Studien wird deshalb untersucht, ob sie künftig früher zum Einsatz kommen kann. Weitere Forschungsansätze sollen die Behandlung wirksamer und sicherer machen.

Dazu gehört auch die Frage, ob die benötigten Abwehrzellen künftig von Spenderinnen und Spendern stammen oder mithilfe neuer Technologien direkt im Körper hergestellt werden könnten. Auch bei anderen Erkrankungen könnte die Methode künftig eine Rolle spielen. Forschende untersuchen ihren Einsatz etwa bei bestimmten soliden Tumoren und Autoimmunerkrankungen. Diese Anwendungen befinden sich allerdings noch in der Forschungsphase.

Die CAR-T-Zelltherapie ist ein Beispiel dafür, wie sich die Krebsmedizin verändert. Während eine klassische Chemotherapie vor allem schnell teilende Zellen angreift, können moderne Behandlungen gezielt bestimmte Merkmale von Krebszellen nutzen. „Die maßgeschneiderte Medizin ist eine Riesenchance für die Patienten“, betont Heine. Ziel ist es, die Behandlung möglichst genau auf die jeweilige Erkrankung und die Bedürfnisse der Betroffenen abzustimmen.


Fotocredit: APA/AFP/Gerard Julien

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