Männergesundheit, Neurologie & Psyche

Depression bei Männern: Symptome, Besonderheiten

Depressionen sind weit verbreitete psychische Erkrankungen, die nicht nur persönliches Leid verursachen, sondern auch erhebliche soziale und berufliche Konsequenzen nach sich ziehen. Während Depressionen oft mit Traurigkeit und Antriebslosigkeit assoziiert werden, zeigen sich diese Symptome bei Männern häufig in untypischer Form.

Männer neigen dazu, ihre Traurigkeit anders zu verarbeiten als Frauen, was das Erkennen und Behandeln der Depression erschweren kann.

Häufigkeit von Depressionen bei Männern

Epidemiologische Untersuchungen zeigen, dass Depressionen weltweit unterschiedlich häufig auftreten, was auf kulturelle und soziale Einflüsse hinweist. Dennoch sind Männer im Vergleich zu Frauen seltener von Depressionen betroffen – das Verhältnis liegt bei etwa 1:1,6 bis 1:3. Ein Grund dafür könnte sein, dass Männer seltener Hilfe bei psychischen Problemen suchen. Interessanterweise zeigen Studien jedoch, dass bei Männern der Jahrgänge nach 1945 die Rate an Depressionen zunimmt, während sie bei Frauen stabil bleibt.

Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Depression

Obwohl die Kernsymptome einer Depression – wie Antriebslosigkeit, Schlafstörungen und Schuldgefühle – bei beiden Geschlechtern ähnlich sind, äußert sich Traurigkeit bei Männern oft anders. Statt wie Frauen emotionale Labilität zu zeigen, erleben Männer vermehrt Reizbarkeit und Wut. Studien, wie die Gotland-Studie, deuten darauf hin, dass Männer in depressiven Episoden häufiger Ärger-Attacken, Gereiztheit und Frustration verspüren. Diese Wutanfälle, die plötzlich auftreten und oft gegen enge Familienmitglieder gerichtet sind, gehen mit körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Schwindel und Atemnot einher.

Muskelqualität und Depression bei Männern

Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2024 liefert spannende neue Erkenntnisse: Der Muscle Quality Index (MQI), ein Maß für die Muskelkraft im Verhältnis zur Muskelmasse, zeigte einen Zusammenhang mit Depressionen – allerdings nur bei Frauen. Bei Männern konnte keine derartige Verbindung festgestellt werden. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass körperliche Fitness bei Frauen möglicherweise eine Rolle bei der Vorbeugung von Depressionen spielen könnte.

Suizidalität bei Männern

Ein besonders besorgniserregendes Thema bei depressiven Männern ist das Risiko für Suizid. Obwohl die Anzahl der Suizidversuche zwischen den Geschlechtern ähnlich ist, sind Männer deutlich häufiger von vollendeten Suiziden betroffen. Männer wählen dabei oft gewalttätigere Methoden wie Erschießen oder Erhängen, während Frauen eher Tablettenüberdosierungen bevorzugen. Diese Unterschiede machen es umso wichtiger, Depressionen bei Männern frühzeitig zu erkennen und angemessen zu behandeln.

Diagnose von Depressionen bei Männern

Depressionen bei Männern bleiben oft unerkannt, da Männer seltener über psychische Probleme sprechen und stattdessen eher körperliche Symptome wie Müdigkeit oder Schmerzen hervorheben. Auch die typisch männliche Tendenz, emotionale Probleme als Schwäche zu empfinden, erschwert die Diagnose. In solchen Fällen kann es hilfreich sein, Angehörige in die Anamnese einzubeziehen, um ein vollständiges Bild zu erhalten.

Therapie der Depression bei Männern

Zur Behandlung von Depressionen stehen heute eine Vielzahl von Medikamenten zur Verfügung, aber es gibt kein spezifisches Antidepressivum, das ausschließlich für Männer geeignet ist. Besonders problematisch sind für Männer die Nebenwirkungen mancher Antidepressiva, insbesondere die Beeinträchtigung der sexuellen Funktion. Diese Nebenwirkungen, wie erektile Dysfunktion oder Ejakulationsstörungen, treten vor allem bei trizyklischen Antidepressiva (TZA), selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SNRI) auf.

Neben der medikamentösen Behandlung hat sich auch die Psychotherapie als äußerst wirksam erwiesen. Studien belegen, dass eine Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie erfolgreicher ist als eine alleinige Therapie. Leider nehmen Männer Psychotherapie seltener in Anspruch als Frauen, was teilweise mit gesellschaftlichen Rollenbildern zusammenhängt. Für ältere Männer, die besonders suizidgefährdet sind, ist die Teilnahme an therapeutischen Angeboten besonders wichtig.

Fazit

Depressionen bei Männern äußern sich oft anders als bei Frauen und bleiben daher häufig unentdeckt. Besonders Wut, Reizbarkeit und Aggression können auf eine zugrunde liegende Depression hinweisen. Frühe Diagnose und eine gezielte Therapie, die sowohl medikamentöse als auch psychotherapeutische Ansätze umfasst, sind entscheidend, um das Leiden zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Auch der Aspekt der körperlichen Fitness, speziell bei Frauen, könnte eine neue Richtung für Prävention und Therapie von Depressionen darstellen.


Literatur:

Huang GP, Mai LP, Zheng ZJ, Wang XP, He GD. Sex differences in the association between the muscle quality index and the incidence of depression: A cross-sectional study. World J Psychiatry. 2024 Sep 19;14(9):1335-1345. doi: 10.5498/wjp.v14.i9.1335. PMID: 39319235; PMCID: PMC11417655.

Rice SM, Kealy D, Seidler ZE, Oliffe JL, Levant RF, Ogrodniczuk JS. Male-Type and Prototypal Depression Trajectories for Men Experiencing Mental Health Problems. Int J Environ Res Public Health. 2020 Oct 7;17(19):E7322. doi: 10.3390/ijerph17197322. PMID: 33036428.

Oliffe JL, Rossnagel E, Seidler ZE, Kealy D, Ogrodniczuk JS, Rice SM. Men’s Depression and Suicide. Curr Psychiatry Rep. 2019;21(10):103. Published 2019 Sep 14. doi:10.1007/s11920-019-1088-y

Zoltán Rihmer, Wolfgang Rutz, Hans Pihlgren. Depression and suicide on Gotland an intensive study of all suicides before and after a depression-training programme for general practitioners. Journal of Affective Disorders. Volume 35, Issue 4, 18 December 1995, Pages 147-152.
https://doi.org/10.1016/0165-0327(95)00055-0


Fotos: istock AndreyPopov

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