Erwin Grubhofer und Martin Schlagenhaufen, beide 43 Jahre alt, sind Beamte des Einsatzkommandos Cobra. Sie schützen uns nicht nur vor Terroristen und anderen Schwerkriminellen, sondern versorgen als Cobra-Sanitäter auch Verwundete.
Von Mag. Sabine Stehrer
1000 Einsätze im Jahr
Zu rund 1000 Einsätzen werden die insgesamt 450 Beamten der 1978, vor 40 Jahren, als Anti-Terror-Einheit gegründeten Cobra jährlich gerufen. „Amoklagen“ wie jene in Annaberg zählen genauso immer wieder dazu wie „Geisellagen“ in Österreich und im Ausland – so war die Spezialeinheit etwa maßgeblich an der spektakulären Befreiung österreichischer Sahara-Urlauber aus den Händen algerischer Geiselnehmer beteiligt. Die Alltagsarbeit von Schlagenhaufen, Grubhofer und ihren Kollegen besteht aber darin, gefährliche Täter oder ganze Banden in ihren Häusern, Wohnungen oder an Tatorten zu übermannen und festzunehmen. Dies unter „mindestnotwendigem Gewalteinsatz“, wie die Maxime heißt. Was, wenn es dabei dennoch wild zugeht, Täter um sich schießen, andere verletzen oder töten wie der Mörder von Annaberg? Wie sind solche Geschehnisse auszuhalten, wie zu bewältigen? Kommt es vor, dass ein Cobra-Beamter auch einmal dem Druck nicht standhält und zum Beispiel wegrennt? „Nein“, sagt Grubhofer. „Wir Cobra-Beamte sind mental so gepolt, dass wir das schon aushalten.“ Und geht doch einmal etwas über das übliche Maß des Aushaltbaren hinaus, genüge es meist, „untereinander darüber zu reden“. Reicht das nicht, stehe immer noch der psychologische Dienst des Bundesministeriums für Inneres, dem die Cobra direkt unterstellt ist, zur Verfügung. „Nach Annaberg“, meint Schlagenhaufen, „ist da wohl auch der eine oder andere von uns hingegangen“.
Mit Waffen im Flugzeug
Wöchentlich 20 Stunden Training
Wenn kein Einsatz ist, und auch keiner der drei- bis fünfmal im Monat erforderlichen 24-stündigen Bereitschaftsdienste ansteht, wird meist trainiert. Schlagenhaufen und Grubhofer trainieren häufig die Hälfte ihrer Arbeitszeit, also „20 Stunden pro Woche“. Auf dem Programm stehen dabei neben einem Ausdauer- und Krafttraining Klettern, Schwimmen, Tauchen, Nahkampfeinheiten, Einheiten im Hindernisparcours, Schießtrainings, Fahrtrainings, und auch das Erstürmen von Wohnungen und Flugzeugen wird regelmäßig geprobt. Der Erfolg des Trainings wird immer wieder bei internen Leistungstests und medizinischen Checks überprüft. Ein Cobra-Beamter bleibt Cobra-Beamter, solang er die Tests besteht – Alterslimit für die Arbeit bei der Spezialeinheit gibt es keines. Auch während des Trainings sind die Cobra-Sanitäter für die medizinische Versorgung verantwortlich – diesfalls nur der Kollegen. Beim Training komme es oft zu Verletzungen, „meistens bei Stürzen“, heißt es. Besonders fatal sei das für junge Polizisten in der Grundausbildung zum Cobra-Beamten: Ist eine Verletzungspause nötig, kann die Ausbildung nicht weiter absolviert werden – man kann nur noch einmal von vorn beginnen.
Nur jeder Zehnte besteht
Bewerber gibt es immer wieder viele. So wie vor zwanzig Jahren Grubhofer und Schlagenhaufen, die sich als junge Polizisten von der „außergewöhnlichen Arbeit“ bei der Cobra angezogen fühlten, reizen die Aufgaben bei der international renommierten Spezialeinheit heute jeweils rund 250 Polizisten und ein paar wenige Polizistinnen so sehr, dass sie zum Aufnahmeverfahren antreten. Die harten körperlichen, psychischen und verhaltenspsychologischen Tests besteht allerdings nur jeder Zehnte. Und von jenen, die die anschließende sechsmonatige Grundausbildung schaffen, werden wiederum nur die zwanzig besten in den Dienst der Cobra aufgenommen. Übrig bleibt, wer „willig ist, stets das ,Quäntchen’ mehr zu leisten“, sagt Grubhofer. Ein „guter Teamplayer“ müsse man freilich auch sein, und in Stresssituationen einen möglichst kühlen Kopf bewahren. Wobei: Etwas nervös, das darf ein Cobra-Beamter schon werden, wenn es zum Einsatz geht, das sei „sogar gut“, so Grubhofer weiter, „das erhöht das Aufmerksamkeitslevel“. Dennoch komme es auch noch nach langjähriger Erfahrung zu „Hoppalas“, die während des Einsatzes zwar unangenehm sind, letztlich aber zu dem wenigen Lustigen zählen, das über die Arbeit bei der Cobra erzählt werden kann. Einmal sei ein Haus zu stürmen gewesen und die Männer hätten sich gegenseitig helfen müssen, um die hohe Gartenmauer zu überwinden. Als die Truppe dann im Garten war, kam noch ein Kollege nach: durch das – unverschlossene – Gartentor.