Leben mit Inkontinenz

November 2009 | Medizin & Trends

„In der schlimmsten Zeit war ich jede halbe Stunde am Klo“
 
Die Salzburgerin Ulrike Mayer (Name geändert), 78 Jahre alt, leidet seit 30 Jahren an Harninkontinenz. Im Interview mit MEDIZIN populär erzählt sie, wie das Leiden begann, was sie im Lauf der Jahrzehnte mit mehr und weniger Erfolg dagegen unternommen hat, und welche Behandlung ihr heute hilft.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

MEDIZIN populär
Frau Mayer, Sie leiden seit 30 Jahren an Harninkontinenz. Wie ist es dazu gekommen?

Ulrike Mayer
Es hat begonnen, nachdem ich ein künstliches Hüftgelenk bekommen hatte. Bei der Operation sind wahrscheinlich irgendwelche Nerven in Mitleidenschaft gezogen worden, die für das Zurückhalten des Harns zuständig sind. Jedenfalls habe ich danach erst nur hin und wieder Harn verloren, das war nicht so störend. Aber schleichend ist es immer störender geworden und schließlich war es furchtbar.

Was haben Sie dagegen unternommen?

Ich bin eine große Musikliebhaberin und gehe sehr gern in Konzerte. Damit ich währenddessen trocken geblieben bin, bin ich eben zur Sicherheit vor dem Konzert aufs Klo gegangen und in der Pause und gleich nach dem Konzert. So habe ich es auch sonst gehandhabt. In der schlimmsten Zeit war ich jede halbe Stunde vorsorglich am Klo.

Und Sie haben nie ärztliche Hilfe gesucht?

Doch, ich habe meiner Hausärztin von dem Problem erzählt. Sie hat mir einen Kurs in Beckenbodengymnastik empfohlen, da war ich dann zehn Wochen lang einmal in der Woche. Aber das hat mir leider nicht geholfen. Von meinem Gynäkologen habe ich dann erfahren, dass man auch operativ etwas gegen Inkontinenz tun kann, und ich habe mir gedacht, das versuche ich. Mir wurde dann eine Schlinge eingesetzt wird, die die Harnröhre umschließt. Das sollte dafür sorgen, dass ich keinen Harn verliere, hat aber nichts genützt.

Aber dann hat sich etwas gefunden, was Ihnen geholfen hat?

Meine nächste Station war eine Urologin. Sie hat mir einen Katheter durch die Bauchdecke in die Blase eingeführt. Am Bauch war ein Druckknopf. Wenn ich da drauf gedrückt hab, hat sich die Blase entleert, und sonst nicht. Damit war ich eine Zeit lang sehr zufrieden. Aber dann war ich wegen meiner Hüfte in physiotherapeutischer Behandlung und habe dort auf dem Bauch liegend Turnübungen gemacht. Auf einmal liege ich im Nassen, weil ich zuviel Druck auf den Druckknopf ausgeübt habe. Das war mir so furchtbar unangenehm, dass ich den Katheter nicht mehr wollte. Ich habe ihn dann entfernen lassen.

Und dann haben Sie wieder mit der Inkontinenz gelebt.

Ja schon, aber ich wollte nicht mehr damit leben und habe herumgefragt, was mir helfen könnte. Eine Freundin hat mich dann auf die neuro­urologische Ambulanz
in Innsbruck aufmerksam gemacht. Ich bin hingefahren und der Leiter der Ambulanz hat mir gesagt, er würde mir zu Botox-Spritzen in den Bereich der Blase raten.
Die habe ich nun zweimal im Abstand von fünf Monaten bekommen. Vor allem in der ersten Zeit nach der Behandlung ist die Wirkung hervorragend. Da muss ich
nur mehr alle sechs Stunden aufs Klo gehen!

Und wenn die Wirkung nachlässt, was machen Sie dann?

Ganz lässt sie ja zwischen den Spritzen nicht nach. Und wenn ich eine längere Unternehmung vor mir habe oder eine Reise, dann helfe ich mir selber mit einem kleinen Katheter. Den führe ich mir ein, und damit kann ich meine Blase so vollständig entleeren, dass ich nicht so schnell wieder einen Harndrang spüre.

Infotipps:

Adressen von Beratungsstellen gibt es auf der Homepage der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich auf www.inkontinenz.at
Beratungstelefon zum Ortstarif: 0810/100 455

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