Blase in Gefahr

Juli 2008 | Medizin & Trends

Das schützt vor einem Harnwegsinfekt
 
Schmerzen im Unterbauch, ständiger Harndrang, Brennen beim Urinieren: Empfindliche kennen und fürchten sie, die unangenehmen Anzeichen eines Harnwegsinfektes. Gerade in der heißen Jahreszeit unterschätzen viele die Infektionsgefahr aufgrund einer Unterkühlung, sei es durch allzu luftige Bekleidung oder zu ausgiebiges Baden im kühlen Nass. Lesen Sie in MEDIZIN populär, wie man in der Badesaison einer Blasenentzündung vorbeugt.
 
Von Mag. Alexandra Wimmer

Die heimischen Seen und Sommerbäder locken wieder zum Baden und Wassersporteln, Schanigärten und Heurigenlokale laden zum Verweilen bis in die Nacht. Die heiß ersehnte Sommerzeit hat aber auch ihre Tücken: Allzu luftige, bauch- oder nierenfreie Bekleidung sowie nasse Badesachen schwächen eine empfindliche Blase. Um einer Unterkühlung vorzubeugen, sollten Empfindliche auch im Sommer auf ausreichend warme und trockene Kleidung achten. Speziell Unterleib und Füße sollte man stets warm halten, der nasse Badeanzug wird am besten sofort nach dem Schwimmen gewechselt. „Wer mindestens drei Mal pro Jahr einen Harnwegsinfekt bekommt, muss besonders achtsam sein“, betont Dr. Annemarie Riedl, Fachärztin für Urologie und Andrologie in Klosterneuburg. Gefährdete sollten beispielsweise nicht an windigen, zugigen Plätzen oder auf kaltem Untergrund sitzen. „Speziell, wenn man schwitzt, merkt man die Abkühlung oft zu spät“, warnt die Urologin. Ist der Körper erst unterkühlt, kommt es zu einer Abwehr­schwä­che, eindringende Bakterien haben dann ein leichtes Spiel.

GESCHWÄCHTE ABWEHR
Im Normalfall kann ein gesunder Organismus Krankheitskeime gut abwehren. Das gilt auch für die Blase: Eindringende Bakterien können sich an der Blasenschleimhaut nicht festhalten und vermehren, sie werden durch ausreichendes Trinken wieder ausgespült. Ist die körpereigene Abwehr jedoch geschwächt – sei es durch eine Unterkühlung, einen Schnupfen oder auch Stress – kann der Körper Krankheitserreger nicht mehr abwehren und es kommt innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen zu den typischen Beschwerden.
Aufgrund ihres Körperbaus sind Frauen wesentlich häufiger von einem bakteriellen Harnwegsinfekt betroffen als Männer. Der Grund: Ihre Harnröhre ist deutlich kürzer, Bakterien können die Harnblase schneller erreichen. Auch die direkte Nachbarschaft der Scheide mit dem Bak­terienherd After fördert Entzündungen. In acht von zehn Fällen ist das Darmbakterium Esche­richia Coli (E. coli) Auslöser für eine Blasen­entzündung.

RICHTIG VORBEUGEN
Sparsam eingesetzt, helfen Hygienemaßnahmen, dem brennenden Problem vorzubeugen. Wer jedoch zu oft Duschgels oder Sprays im Intimbereich verwendet, zerstört damit die schützende Keimbesiedlung der Scheide, die als natürliche Barriere den Harntrakt vor eindringenden Bakterien schützt. „Klares Wasser und ­eine milde Seife sind zur Reinigung im Intim­bereich ausreichend, so bleibt die natürliche Scheidenflora intakt“, betont Annemarie Riedl. In das Hygieneprogramm muss auch der Sexualpartner mit einbezogen werden. „Der Mann sollte den Intimbereich täglich reinigen, indem er die Vorhaut zurückzieht und den Bereich der Eichel gründlich wäscht, weil sich auch unter der Vorhaut Bakterien ansammeln können“, betont Riedl. Unmittelbar nach dem Sexualverkehr ist es ratsam, die Blase zu entleeren, um eingedrungene Bakterien gleich wieder auszuspülen. Bei der Toilettenhygiene sollte stets von vorne nach hinten und niemals umgekehrt ausgewischt werden.
Die Blase stärken kann man auch mit der richtigen Getränkeauswahl. „Ideal ist Leitungs- oder stilles Mineralwasser“, erklärt Annemarie Riedl. Auch warmer Kräutertee wie etwa Bärentraubenblättertee ist ein gesunder Durstlöscher in der warmen Jahreszeit. Abzuraten ist hingegen von übermäßigem Kaffeekonsum. „Wer zu Blaseninfektionen neigt, sollte neben dem Kaffee auch kohlensäurehaltige Getränke und Zitrus­säfte meiden, weil diese Getränke den physiologischen Säureschutz der Harnwege angreifen können“, warnt die ­Urologin.

SELBSTHEILUNG
Kündigt sich trotz aller Vorsorgemaßnahmen ein Infekt an, so kann man versuchen, ihn mit ausreichend Flüssigkeit abzufangen. „Viel zu trinken   ist wichtig, um die Bakterien auszu­schwemmen“, betont Annemarie Riedl. „Außerdem sollte man den Harn keineswegs zurückhalten und die Harn­­blase häufig entleeren.“ Wissenschaftlich erwiesen ist die günstige Wirkung der Preiselbeere, die man sich schon vorbeugend zu Nutze machen sollte. Durch das Trinken von Preiselbeersaft oder die Einnahme von Preiselbeerpräparaten (z. B. Lutschtabletten, Kapseln) wird der Harn angesäuert. „Die Ansäuerung bewirkt, dass die Bakterien sich nicht weiter vermehren. Sie mögen nämlich kein saures Milieu“, erklärt die Urologin. Wird die Vermehrung der Bakterien gestoppt und deren Ausschwemmung durch ausreichendes Trinken gefördert, kann der Körper den Infekt üblicherweise gut bewältigen.

BITTE ZUM ARZT
Treten zu den genannten Symptomen jedoch Fieber, Schüttelfrost oder Rückenschmerzen auf, muss auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden. Bleibt eine Infektion in diesem Stadium unbehandelt, können die Bakterien durch den Harnleiter weiter bis zu den Nieren aufsteigen und eine Nierenbeckeninfektion auslösen. „Handelt es sich um einen einmaligen Harnwegsinfekt, reicht als Behandlung eine Kurzzeittherapie mit Antibiotikum über mehrere Tage“, erklärt Riedl. In den Fällen, in denen trotz bester Vorsorge und optimaler Hygiene immer wieder Infekte auftreten, kann eine Dauerprophylaxe mit einem Antibiotikum nachhaltig Abhilfe schaffen.

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Wo darf ich baden?

Achten Sie auf die Wasserqualität!
Menschen, die anfällig für Harnwegsinfekte sind, müssen im Sommer zusätzlich berücksichtigen, dass auch die Qualität des Badewassers die Gesundheit des sensiblen Hohlorgans Blase beeinträchtigt. Wie ist das möglich? „Beim Schwimmen dringen bei jeder Frau, bedingt durch die kurze Harnröhre, stets ein bisschen Wasser und damit auch Bakterien in die Harnblase ein“, erklärt die Urologin Dr. Annemarie Riedl. Thermal- oder Freibad, See- oder Meerwasser – wo findet man die gesündeste Erfrischung? „Wenn man anfällig für Harnwegsinfekte ist, sollte man besser nicht in einer Therme baden“, rät Riedl. Das warme Thermalwasser, in dem sich zumeist viele Badegäste tummeln, biete nämlich das ideale Klima für Bakterien. Absolut tabu, weil ein Sammelbecken für Krankheitskeime, sollten für Empfindliche außerdem Whirlpools sein. Und wie wirkt sich das Badevergnügen im chlorierten Freibad aus? „Das ist abhängig von der Hygiene des Schwimmbads. Wird das Wasser regelmäßig gewechselt und durch Chlor keimfrei gemacht, stellt das Baden kein Problem dar“, so die Medizinerin. Auch in den heimischen Seen mit ihrer guten Wasserqualität kann demnach sorglos geplanscht werden. Am besten ist laut Urologin der Aufenthalt im salzhaltigen Meerwasser. „Es enthält aufgrund der hohen Verdünnung vergleichsweise wenige problematische Bakterien“, so Riedl. „Das Salz wirkt zusätzlich keimvermindernd.“ Ob man sich im Meer- oder Chlorwasser erfrischt, nach dem Baden sollte der Intimbereich ausgiebig abgeduscht werden, weil die Salzkristalle des Meerwassers sowie das Chlor die natürliche Schutzschicht der Scheide angreifen.
        

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