Herzschwäche: die modernen Therapien

März 2010 | Medizin & Trends

Herzinsuffizienz ist eine zunehmend häufiger werdende Erkrankung, die verschiedene Ursachen haben kann und lebensbedrohlich ist – wenn sie unbehandelt bleibt. Mit Medikamenten, die gegebenenfalls durch implantierte Defibrillatoren und Herzschrittmacher unterstützt werden, kann das Leiden heutzutage jedoch gut behandelt werden. MEDIZIN populär erklärt, woran man die Erkrankung erkennt und welche Behandlung in Frage kommt.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Am Anfang ist man immer müde und ein Schwächegefühl macht sich breit, für das sich subjektiv keine Ursachen finden lassen. Eines Tages sind dann schon die drei Stockwerke zur Wohnung nicht mehr zu schaffen, ohne mehrmals stehen bleiben zu müssen, um Luft zu holen. Und schließlich müssen auch beim Einkaufen, Kochen oder Wäscheaufhängen immer wieder Pausen eingelegt werden. „Wenn es binnen drei oder vier Wochen zu einem derartigen Leistungsabfall gekommen ist, deutet das häufig auf eine beginnende Herzinsuffizienz hin“, sagt Univ. Prof. Dr. Friedrich Fruhwald von der Abteilung für Kardiologie an der Universitätsklinik für Innere Medizin in Graz.
Herzinsuffizienz heißt: Der Herzmuskel hat an Kraft verloren und kann den Körper nicht mehr gut genug mit Blut versorgen. So kommt es zu einem Sauerstoff- und Nährstoffmangel in den Muskeln und Organen, was für die genannten Beschwerden sorgt. Was geschieht, wenn die Herzschwäche unbehandelt bleibt? „Auf die unzureichende Durchblutung reagiert nach einiger Zeit die Niere, indem sie Salz und Wasser im Körper zurückhält“, erklärt Fruhwald, der auch Leiter der Arbeitsgruppe Herzinsuffizienz der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft ist. So kommt es zu Wasserablagerungen im Bereich der Fußknöchel und in den Beinen, die dadurch dicker erscheinen. Auch im Bauch wird Wasser abgelagert. Der erscheint dann aufgebläht. Als nächstes wird durch die mangelnde Durchblutung auch der Herzmuskel selbst geschädigt. „Und je weiter diese Schädigung fortgeschritten ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Herz plötzlich versagt“, so Fruhwald.

Zahl der Betroffenen steigt

Der Tod durch plötzliches Herzversagen ist die häufigste Todesursache in Österreich und weltweit, weil Herzinsuffizienz auch die am meisten verbreitete Erkrankung des Herz- und Kreislaufsystems ist. Das Risiko, ein schwaches Herz zu bekommen, steigt mit zunehmendem Alter an. Während unter den 45- bis 55-Jährigen noch weniger als ein Prozent betroffen ist, liegt unter den 65- bis 75-Jährigen der Anteil bereits bei fünf bis zehn Prozent und unter den Über-80-Jährigen bei zehn Prozent. Fruhwald: „In den nächsten Jahren und Jahrzehnten wird mit der steigenden Lebenserwartung auch die Zahl der Erkrankten zunehmen.“
Woran liegt es, wenn das Herz schwächer wird? „Die häufigste Ursache für die Insuffizienz ist die koronare Herzkrankheit, die durch Verkalkungen der Herzkranzgefäße hervorgerufen wird“, sagt Fruhwald. Meistens entstehen diese Verkalkungen durch Rauchen, einen gar nicht oder schlecht behandelten Bluthochdruck, einen zu hohen Anteil an LDL-Cholesterin im Blut, das sich in den Gefäßen ablagert, oder durch Diabetes, der gar nicht oder schlecht behandelt wird. Auch gar nicht oder unzureichend therapierter Bluthochdruck für sich allein genommen kann dazu führen, dass Herzinsuffizienz entsteht. Fruhwald: „Bluthochdruck verdickt den Herzmuskel, wodurch die Pumpleistung abnimmt.“ Genauso kann ein Herzinfarkt, bei dem Gewebeteile des Herzmuskels abgestorben sind, eine Herzinsuffizienz nach sich ziehen. Als weitere Verursacher kommen verschiedene Erkrankungen des Herzmuskels in Frage, wie z. B. eine Herzklappenerkrankung oder ein angeborener Herzfehler.

Bei den ersten Anzeichen zum Arzt

Was kann man gegen Herzinsuffizienz tun? „Wichtig ist, bei den ersten Symptomen zum Arzt zu gehen und sich untersuchen zu lassen“, sagt Fruhwald. „Je früher die Diagnose gestellt wird und die Behandlung einsetzt, desto größer sind die Chancen, dass die Betroffenen wieder nahezu so leistungsfähig werden wie in früheren Jahren, sich also ihre Lebensqualität wieder verbessert und sie ein langes Leben vor sich haben.“ Geheilt, also gänzlich rückgängig gemacht werden kann die Herzinsuffizienz nur sehr selten.
Wie wird behandelt? „Die Therapie der Herzinsuffizienz richtet sich nach der Ursache und nach der Schwere der Erkrankung“, sagt Fruhwald. Da in den meisten Fällen Verkalkungen der Herzkranzgefäße zur Herzschwäche geführt haben, ist deren Beseitigung die häufigste Therapie der Herzschwäche. Entweder wird um die Verkalkung herum ein Bypass gelegt, das ist eine Umleitung mit einem Stück Vene, das den Beinen entnommen wird. Oder die verkalkten und verengten Gefäße werden mit einer kleinen Prothese aus Metall oder Plastik aufgedehnt, dem sogenannten Stent. Gegen die zweithäufigste Ursache der Herzinsuffizienz, den Bluthochdruck, werden blutdrucksenkende Medikamente gegeben.

Implantate regulieren den Herzschlag

„Wenn die Herzleistung durch die Herzinsuffizienz bereits um mehr als zwei Drittel abgenommen hat, besteht bereits ein hohes Risiko für einen plötzlichen Herztod“, sagt Fruhwald. „Zur Vorbeugung bzw. Behandlung können Geräte eingesetzt werden.“ Schlägt das Herz lebensgefährlich schnell und unregelmäßig, wird ein Defibrillator unter das linke Schlüsselbein eingesetzt und über Sonden an den Herzmuskel angeschlossen. Das Gerät gibt bei Bedarf automatisch Stromstöße ab, die den Herzschlag normalisieren. Schlägt das Herz zu langsam, implantiert man einen Herzschrittmacher, der ebenfalls über elektrische Impulse funktioniert und das Herz antreibt. Beide Geräte sind aus Metall, kleiner als ein Handteller, wiegen weniger als 100 Gramm und werden mit einer Batterie betrieben. Sie müssen jedes halbe Jahr kontrolliert – und nach fünf bis sechs Jahren ausgetauscht werden, weil die Batterieleistung abnimmt. Fruhwald: „Unmittelbar nach der Operation werden die Defibrillatoren und Herzschrittmacher von manchen Patienten noch als Fremdkörper wahrgenommen, nach einiger Zeit spürt man sie aber nicht mehr.“ In sehr schweren Fällen der Herzinsuffizienz gibt es als Möglichkeit der Therapie die Herztransplantation. Pro Jahr werden in Österreich durchschnittlich 55 Herztransplantationen durchgeführt, die Fünf-Jahres-Überlebensrate beträgt 70 Prozent.
Welche Form der Therapie auch gewählt wird: „Wir empfehlen den Betroffenen, sich nicht zu schonen, sondern sich zu bewegen.“ Bewegen heißt, mindestens dreimal in der Woche 30 Minuten lang ein Ausdauertraining betreiben, wie Spazierengehen, Nordic Walking oder Radfahren. Außerdem sollten Patienten mit Herzinsuffizienz auf übermäßigen Alkoholkonsum und Nikotin verzichten sowie, wenn nötig, Übergewicht abbauen. All das sind im Übrigen auch Maßnahmen, um Herzinsuffizienz gar nicht erst zu bekommen.

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