Gelenkschmerzen

April 2016 | Medizin & Trends

Was bei Problemen mit den Gelenken hilft
 
Nahezu jeden plagen irgendwann im Lauf seines Lebens Schmerzen in den Gelenken der Knie, Hüften, Schultern & Co. Lesen Sie, was die Ursachen dafür sind, welche Folgen Gelenkprobleme haben können, und was dagegen hilft.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Erst quälen sie nur nach längeren Fußmärschen, beim Stiegensteigen oder schweren Heben, dann schon morgens nach dem Aufstehen und irgendwann sogar im bewegungslosen Zustand, etwa beim Liegen auf der Couch: Schmerzen in den Gelenken, oft der Knie, Hüften, der Wirbelsäule und der Schultern. Chronische Gelenkschmerzen zählen zu den meist verbreiteten gesundheitlichen Beschwerden. Mehr als 90 Prozent der Österreicher leiden irgendwann im Lauf ihres Lebens darunter, Ältere deutlich häufiger. Viele schmerzt nicht nur eines der Steuerungselemente unserer Knochen, sondern gleich mehrere Gelenke tun weh und nahezu nichts geht mehr, weiß Prim. Dr. Daniela Gattringer, Leiterin des Instituts für Physikalische Medizin und Rehabilitation am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz.

Überlastung & frühere Verletzung

Sie kennt auch die Ursachen für die verbreiteten Qualen: „Bei der Hälfte der Patienten sind langjährige Überlastungen schuld daran.“
Überlastungen, wie sie über die Jahre und Jahrzehnte allein durch Übergewicht zustande kommen, aber auch durch einseitige Belastungen oder Fehlbelastungen beim Sitzen vor dem PC, bei langem Stehen oder häufigem, schwerem Heben. Bei 30 Prozent der Betroffenen sind die Schmerzen die Spätfolge eines Unfalls, oft einer früheren Verletzung bei Stürzen etwa beim Fußballspielen oder Skifahren.

Fehlstellungen & andere Krankheiten

Bei rund 19 Prozent gehen die Gelenkschmerzen auf angeborene Gelenkschwächen oder unbehandelte Fehlstellungen wie Beckenschiefstand, X- oder O-Beine zurück. Bei wenigen der Betroffenen, einem Prozent, sind die Schmerzen auf eine andere Krankheit, etwa rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew, Psoriasis bzw. Schuppenflechte, die mit einer Arthritis einhergeht, zurückzuführen. Oder auf Gicht, auch auf Infektionen durch Bakterien. Egal, was die Schmerzen verursacht, der Mechanismus, der sie entstehen lässt, geht, wie Mediziner heute wissen, immer mit einer Entzündung einher – weshalb auch nicht mehr zwischen Arthrose und Arthritis unterschieden wird. Gattringer: „Es kommt zu einer Entzündungsreaktion des Knorpels, die im Gelenk eine Reihe von Prozessen auslöst, die schlussendlich zur Gelenkzerstörung führen.“

Schmerzen können sich verselbstständigen

Das Problem: Wenn es in den Fuß- und Zehengelenken, im Sprunggelenk, den Knien, den Hüften, den Händen und Fingergelenken, den Ellenbogen, im Rücken, den Schultergelenken oder im Nacken pocht, sticht und zieht, wird dies von vielen sehr lang als Alterserscheinung hingenommen. Verschlimmern sich die Schmerzen, helfen sich mehr als zwei Drittel selbst – oft mit Schmerzmitteln, die zwar Linderung bringen, doch nicht für den Dauergebrauch gedacht sind und mitunter gefährliche Nebenwirkungen haben. Die bei Gelenkschmerzen verbreitete Selbstmedikation ist aber sowieso der falsche Weg, warnt Gattringer. „Wer die Schmerzen lang nicht fachgerecht behandeln lässt, riskiert, dass sie chronisch werden.“ Zudem kann passieren, dass sie sich sozusagen verselbstständigen und als eigene Schmerzerkrankung für sich weiter bestehen – auch dann, wenn die ursprüngliche Ursache durch eine entsprechende Therapie beseitigt wurde.

Risiko für weitere Erkrankungen steigt

Außerdem führen unbehandelte Schmerzen laut der Medizinerin nicht selten in einen Teufelskreis. Weil die Gelenke wehtun, wird Bewegung vermieden. Der Bewegungsmangel führt zu Muskelverspannungen und Muskelschmerzen, was die Bewegung noch schwieriger macht. „Wer sich kaum noch bewegt, erhöht außerdem sein Risiko für Übergewicht“, so Gattringer. Übergewicht belastet die Gelenke nicht nur mechanisch, sondern durch das Bauchfett werden im Körper entzündliche Prozesse in Gang gesetzt, die der Knorpelsubstanz und damit den Gelenken noch zusätzlich schaden. Gattringer: „Durch Bewegungsmangel erhöht sich außerdem das Risiko für verschiedene Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenerkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2, auch für Depressionen.“ Damit es nicht so weit kommt, rät die Medizinerin beim Auftreten von Gelenkschmerzen nicht lang zu warten, sondern so bald wie möglich einen Arzt aufzusuchen, sich untersuchen und behandeln zu lassen.

Begleittherapie & Operationen

Gehen die Schmerzen auf Erkrankungen wie Rheuma oder Gicht zurück, müssen diese Krankheiten begleitend therapiert werden, um die Beschwerden loszuwerden. Sind die Schäden an Knorpeln, Bändern, Sehnen oder Knochen stark ausgeprägt, kommen die Patienten meist nicht um eine Operation herum oder benötigen ein künstliches Gelenk. Oft kann durch Operationen oder Gelenkprothesen Schmerzfreiheit erzielt werden, doch nicht immer, wie Gattringer weiß. So hat jeder fünfte Träger einer Knie-, Hüft- oder Schulterprothese auch nach dem Eingriff noch Schmerzen. Die Ursachen dafür sind häufig die gleichen, die zu den Schäden an den Gelenken führten: Überlastungen, oft durch Übergewicht, auch einseitige Belastungen, Fehlbelastungen.
 
Schmerzbehandlung & physikalische Therapie

Ob es sich um Gelenkschmerzen in Folge eines Einsatzes einer Gelenkprothese oder einer Operation handelt, ob sie die Begleiterscheinung einer anderen Krankheit sind oder die Arthrose bzw. Arthritis für sich besteht: „Zunächst bietet sich an, die Schmerzen mit wirksamen, individuell angepassten Schmerzmitteln oder lokalen Infiltrationen, also Injektionen, von entzündungs- und schmerzlindernden Substanzen wie Kortison zu bekämpfen“, informiert Gattringer. Die Medizinerin weiter: „Zusätzlich sollte die Behandlung unbedingt eine physikalische Therapie beinhalten.“ Zu dem Angebot zählen Kälte- und Wärmeanwendungen sowie Massagen. Oft bringen auch eine Elektrotherapie, bei der mit Stromimpulsen gegen die Beschwerden angekämpft wird, und eine Lasertherapie, bei der Lichtimpulse eingesetzt werden, die gewünschte Wirkung.

Physiotherapie & Bewegung

Komplett machen die Behandlung von Gelenkschmerzen Bewegungsübungen, die die Patienten, so Gattringer, „in individuell angepasster Dosierung vom Physiotherapeuten erlernen und in Eigenregie fortführen“. Maßgeschneiderte Übungen, Bewegung und Sport sind laut Gattringer auch dann das Um und Auf, wenn es um den Schutz vor der Wiederkehr von Gelenkschmerzen geht – oder darum, überhaupt davon verschont zu bleiben. Schließlich werden bewegte Gelenke besser von Gelenkflüssigkeit durchspült, was sie gesünder hält, kräftige Muskeln stabilisieren die Steuerungselemente unseres Körpers. Und ein gezieltes Training hilft dabei, Fehlhaltungen, Fehlbelastungen und einseitige Belastungen auszugleichen sowie Übergewicht abzubauen bzw. zu vermeiden.

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Gelenkschmerzen –
häufige Ursachen

  • Langjährige Überlastungen durch Übergewicht, einseitige Belastungen, Fehlbelastungen
  • Spätfolge von Verletzungen
  • Angeborene Gelenkschwächen
  • Unbehandelte Fehlstellungen wie ein Beckenschiefstand oder X- oder    O-Beine
  • Gelenkerkrankungen durch Rheuma, Psoriasis-Arthritis, Gicht, Morbus Bech­terew, Infektionen


Gelenkschmerzen –
mögliche Folgen

  • Schmerz verfestigt sich, bleibt nach Therapie der ursprünglichen Ursache bestehen
  • Bewegungsmangel
  • Muskelverspannungen und -schmerzen
  • Da Bewegung wegen der Schmerzen oft vermieden wird: Übergewicht
  • Aufgrund des Bewegungsmangels erhöhtes Risiko für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, der Lunge, Diabetes mellitus Typ 2, Depressionen


Gelenkschmerzen –
Untersuchung & Diagnose

  • Befragung, Anschauen und Abtasten der Schmerzregion
  • Bewegungsprüfung des Gelenks
  • Blutuntersuchung
  • Ultraschall, Röntgen, Magnet­resonanztomografie
  • Bei vorliegendem Gelenkerguss Gelenkpunktion und entsprechende Untersuchung
  • Bei Verdacht auf rheumatische Grunderkrankung rheumatologische Untersuchung

Buchtipp:DorotkaGesunde Gelenke.Hilfe bei Knorpelschäden & ArthrosenISBN 978-3-902552-87-7,124 Seiten, € 14,90 Verlagshaus der Ärzte

Stand 04/2016

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