Die negativen Auswirkungen des Rauchens auf die Gesundheit sind bekannt, und doch halten sie 1,6 Millionen Österreicher nicht davon ab, täglich zur Zigarette zu greifen. Was Österreichs höchstem Ärztevertreter Dr. Walter Dorner besonders große Sorgen macht, ist der hohe Anteil jugendlicher Raucher: Unter den 15-Jährigen raucht schon fast jede/r Zweite. „Damit ist klar, dass wir in absehbarer Zeit mit einer Krankheitswelle rechnen müssen, die nur auf den Nikotinmissbrauch der jetzt noch jungen und gesunden Leute zurückzuführen ist.“ Dorner tritt für entsprechende Gegenmaßnahmen ein. Wie diese aussehen können, zeigt eine Initiative in Salzburg vor.
Von Mag. Sabine Stehrer
Daniel ist 17 Jahre alt. Bis vor drei Monaten war er Raucher. „Auf zehn, 15 Zigaretten am Tag bin ich schon gekommen, am Wochenende waren’s auch mehr“, sagt er. Heute könne er sich das gar nicht mehr vorstellen. „Schon wenn ich an eine Tschick denke, graust mir.“ Wie er es geschafft hat, aufzuhören? „Erst haben sie uns in der Schule Bilder von Raucherlungen und Raucherbeinen gezeigt, das war so eklig, dass ich an den Tagen danach viel weniger geraucht habe.“ Dann habe er Hella kennengelernt, eine Nichtraucherin, in die er sich verliebt hat. „Sie hat mir gesagt, sie mag den Gestank vom Zigarettenrauch nicht, also habe ich ihr zuliebe ganz aufgehört.“
Jetzt hat Daniel nicht nur eine Freundin, sondern auch eine viel bessere Gesundheit. In welchem Ausmaß, das weiß Univ. Prof. Dr. Josef Riedler, Experte für Atemwegserkrankungen und Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am Kardinal Schwarzenberg’schen Krankenhaus in Schwarzach-St.Veit in Salzburg, ganz genau: „Wenn ein 17-Jähriger, der drei Jahre lang geraucht hat, mit dem Rauchen aufhört, normalisieren sich schon nach wenigen Wochen Blutdruck und Herzschlagfrequenz, und schon binnen einiger Monate arbeitet auch die Lunge wieder so wie vor dem Nikotinmissbrauch“, sagt er. Nach einigen Jahren rauchfreien Lebens sinke das Risiko, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden, auf die Werte eines gleichaltrigen Nichtrauchers. Nach zehn Jahren gehe das Krebsrisiko auf die Nichtraucherwerte zurück.
Besser abhalten als abgewöhnen
Was Daniel geschafft hat, ist, auch das weiß Prof. Riedler, sehr schwierig. Junge Leute, die mit dem Rauchen angefangen haben, tun sich schwer damit, wieder aufzuhören. „Die Abhängigkeit entwickelt sich rasch, und sie ist meistens auch rasch sehr groß.“ Umgekehrt gilt: Wer es sich bis zum Alter von 18 Jahren noch nicht angewöhnt hat zu rauchen, der wird auch später eher nicht zum Raucher werden – und lässt mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit sogar für den Rest seines Lebens die Finger von Zigaretten. Riedler: „Wenn wir den Jugendlichen dabei helfen wollen, nicht zu rauchen, sollte es also unser oberstes Ziel sein, sie davon abzuhalten, es sich anzugewöhnen.“
Wie das gehen kann, haben er und ein Team aus weiteren Ärzten, Psychologen, Lehrern und Eltern mit dem Projekt „Ich brauch’s nicht, ich rauch’ nicht“ vorgezeigt, das drei Jahre lang bis 2006 in Salzburg lief. Unter den 3000 teilnehmenden Jugendlichen wurde erreicht, dass die Einstiegsquote in die Nikotinsucht um 23 Prozent sank.
Das Nachfolgeprojekt „Kiss me – smokefree“ läuft mit weiteren 2000 15- bis 18-Jährigen noch bis 2009. „Der Aufwand ist riesengroß, aber wie wir gesehen haben, zahlt sich die Arbeit letztlich doch aus. Wir haben unser gesamtes Projektmaterial bedienerfreundlich auf CD verarbeitet und werden diese in den nächsten Wochen allen österreichischen Schulen kostenlos zur Verfügung stellen. So können alle interessierten Schulen ohne große Vorbereitungen Aktionen zum Thema Tabakprävention durchführen.“
Riedler über die wesentlichen Bestandteile der Projektarbeit: „Wir versuchen zu vermitteln, dass es auch cool ist, Nein zur angebotenen Zigarette zu sagen, und dass Nichtraucher nicht fad sind.“ Als Unterrichtsmaterial dienten dabei Filme, Broschüren und das Internet. Inhalt der Informationstage an den Schulen sei auch die Aufklärung über die schädlichen Auswirkungen des Rauchens. „Wir sagen ihnen zwar, was es bedeutet, Krebs oder eine Raucherlunge zu haben, was die Mädchen aber noch mehr trifft, ist, dass sie vom Rauchen Mundgeruch, eine schlechte Haut und schlechte Zähne bekommen“, sagt Riedler. Die Burschen schrecke am meisten die Gefahr ab, impotent werden zu können.
Vorbilder, Verbote, Preise
Was sie abgesehen davon noch vom Rauchen abhalten kann bzw. abgehalten hätte, haben die Salzburger Jugendlichen in einer Befragung der Initiative selbst beantwortet. Diese Liste führen nicht rauchende Eltern und Lehrer als Vorbilder an, gefolgt vom Rauchverbot in und um die Schulen herum sowie am Arbeitsplatz. Riedler: „Sie haben auch angeführt, dass sie hohe Zigarettenpreise und ein Rauchverbot in Lokalen dazu motivieren könnten, Nichtraucher zu bleiben bzw. zu werden.“
Wie positiv sich das auswirken würde, zeigt auch eine Studie aus den USA. Dort wurden 300 Städte im US-Bundesstaat Massachusetts verglichen. Das Ergebnis: Wo in der Gastronomie ein striktes Rauchverbot herrschte, fingen 40 Prozent weniger Jugendliche mit dem Rauchen an als in Städten, in denen der Zigarettenkonsum in Lokalen erlaubt war.
So wie Prof. Riedler hält auch Ärztechef Dorner ein komplettes Rauchverbot in der Gastronomie für unabdingbar. Dorner tritt außerdem dafür ein, dass bundesweit in allen Schulen über die negativen Auswirkungen des Rauchens informiert wird.
Warnung vor der Wasserpfeife
Im Orient ist das Rauchen von Wasserpfeifen ein fixer Bestandteil des täglichen Lebens, und auch bei der heimischen Jugend wird es immer beliebter. Doch Wissenschaftler des Thoraxklinikums im deutschen Heidelberg warnen nun vor dem harmlos erscheinenden Schmauchen. Denn eine Pfeife, auch Shisha genannt, enthält gleich zehnmal so viel Gift wie ein Glimmstängel.
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