Nierensteine entfernen

Mai 2007 | Medizin & Trends

Die Methoden im Überblick
 
Rund 200.000 Österreicher pro Jahr haben mit einem Nierenstein zu kämpfen. MEDIZIN populär sagt Ihnen, wie es dazu kommt und was man dagegen tun kann.
 
Von Mag. Michael Krassnitzer

Faszinierend, hätte wohl Mister Spock dazu gesagt: William Shatner, Darsteller des Captain Kirk in der legendären Fernsehserie „Raumschiff Enterprise“, hat seinen Nierenstein „verscherbelt“. Im Vorjahr war Shatner während Dreharbeiten mit heftigen Schmerzen ins Spital eingeliefert worden. Ursache der Pein war ein Nierenstein, der sich den Weg durch den Körper des Schauspielers bahnte. Nun hat Shatner seinen Nierenstein für einen guten Zweck verkauft – um umgerechnet rund 20.000 Euro!

Viele Menschen würden sich freuen, wenn auch sie ihre Nierensteine zu Geld machen könnten: Denn pro Jahr bekommen es rund 200.000 Österreicher mit einem Nierenstein zu tun. Männer übrigens doppelt so häufig wie Frauen. Die meisten Menschen erkranken zwischen dem 20. und dem 40. Lebensjahr. Aber auch Kinder können Nierensteine entwickeln, das kommt aber sehr selten vor.
„Die Ursachen für die Entstehung von Nierensteinen ist noch nicht restlos erforscht“, erklärt Dr. Reinhard Peschel, Facharzt für Urologie und Leiter der Laparoskopischen Sprechstunde an der Universitätsklinik für Urologie der Medizinischen Universität Innsbruck. Einseitige Ernährung – etwa zu viel Fleisch – und zu geringe Flüssigkeitszufuhr gelten als mögliche Ursachen. Sicher ist, dass gewisse Harnwegsinfekte und Stoffwechselerkrankungen zur Bildung von Nierensteinen führen.

Unbemerkte Kristalle
Nierensteine entstehen aus Substanzen, die normalerweise im Harn gelöst sind und mit ihm ausgeschieden werden: Kalziumoxalat, Harnsäure, Magnesiumammoniumphosphat, Kalziumphosphat, Zystin. Ist der Wasseranteil des Harns zu gering oder die Konzentration dieser Stoffe im Harn zu hoch, dann kristallisieren diese Substanzen aus. Es wachsen Steine heran, deren Umfang von der Größe eines Stecknadelkopfs bis zu mehreren Zentimetern reichen kann. So genannte Ausgusssteine können das ganze Nierenbecken ausfüllen. Die Steine können mehr oder weniger rund sein, aber auch die Form einer Koralle oder eines Hirschgeweihs haben, wenn sie in die Nierenkelche hinein ragen.

Heftige Koliken
„Steine können jahrelang unbemerkt im Nierenbecken oder in den Nierenkelchen liegen“, weiß Urologe Peschel*: „Oft werden sie nur zufällig bei einer Röntgen- oder Ultraschalluntersuchung entdeckt.“ Wenn sich jedoch ein Stein in Bewegung setzt, dann wird es mitunter ungemütlich. Kleine Steine mit glatter Oberfläche können mit dem Urin mitgeschwemmt und unbemerkt ausgeschieden werden. Größere oder zackige Steine jedoch können im Harnleiter, der Verbindung zwischen Niere und Harnblase, stecken bleiben. Der Organismus versucht, diese Fremdkörper mittels Muskelkontraktionen Richtung Harnblase zu befördern. Diese Kontraktionen, Koliken genannt, sind äußerst schmerzhaft: Nierenkoliken gehören zu den quälendsten Schmerzattacken überhaupt. Der krampfartige, in Wellen auftretende Schmerz der Nierenkoliken strahlt in den Unterbauch bis in die Geschlechtsorgane aus. Er kann mit Übelkeit und Erbrechen einher gehen. Der Schmerz ist so heftig, dass die meisten Betroffenen sofort den Notarzt rufen. „So schlimm stelle ich mir Geburtsschmerzen vor“, sagte Nierenstein-Opfer William Shatner.
Auch wenn die Koliken äußerst schmerzvoll sind – gefährlich sind sie nicht. „Die Steine führen zu keinen Verletzungen, die behandelt werden müssten“, erklärt Urologe Peschel.

Wandernde Nierensteine verursachen lediglich mikroskopisch kleine Verletzungen der Schleimhäute, so dass geringe Mengen von Blut in den Harn gelangen.
Mehr als vier Fünftel aller Nierensteine gehen von selbst via Harnausscheidung ab. Steine, die nicht binnen weniger Tage ausgeschieden werden, werden vom Urologen entfernt. Das gilt auch für jene Steine, die ruhig in der Niere liegen und keinerlei Symptome verursachen. „Unser Ziel ist es, die Patienten steinfrei zu bekommen“, bekennt Peschel. Allerdings gebe es Ausnahmen: Bei alten Menschen etwa, bei denen ein Stein tief in einem Nierenkelch sitze, verzichte man auf die Entfernung.

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Behandlungsmethoden:

  • Erstes Ziel bei der Behandlung einer Nierenkolik ist die Beseitigung der Schmerzen. Ist der Patient einmal schmerzfrei, so macht sich der Arzt an die Entfernung der Steine. „Bis vor 20 Jahren hat man Wochen bis Monate zugewartet, ob der Stein nicht doch von selbst abgeht“, erinnert sich Peschel: „Mit den heutigen Möglichkeiten jedoch wird man viel früher aktiv.“
  • Am besten haben es jene, deren Nierenstein aus kristalliner Harnsäure besteht – dieser nämlich kann mit Medikamenten aufgelöst werden.
  • Als Therapie erster Wahl bei allen anderen Nierensteinen hat sich die Steinzertrümmerung etabliert. Dabei wird der Stein mittels einer so genannten Stoßwelle in Schwingung versetzt, so dass er regelrecht zerbröselt. Das benachbarte weiche Gewebe bleibt unverletzt, weil es im Rhythmus der gebündelten Schallwelle mitschwingt.
  • Im Nierenbecken fest sitzende Nierensteine werden von außen, durch die Haut, mit einer Stoßwelle bearbeitet. Sie zerfallen in feinen Sand oder ein bis zwei Millimeter große Brocken, die mit dem Harn abgehen, manchmal aber auch zu Koliken führen können.
  • Große Nierenbeckensteine, so genannte Ausgusssteine, werden mit einer sanften, so genannten minimal invasiven Operation beseitigt: Durch ein winziges Loch in der Haut wird ein endoskopisches Instrument in den Körper eingeführt und der Stein – unter Beobachtung durch eine Mini-Kamera – mit einem mechanischen oder Ultraschallbohrer zerkleinert und abgesaugt.
  • Steine im Harnleiter werden mit dünnen Endoskopen, die über die Harnröhre und die Harnblase in den Harnleiter eingeführt werden, entfernt. Sind sie zu groß, um im Ganzen entfernt zu werden, werden sie mit Laser in feinen Sand zerlegt.
  • Schnittoperationen zur Behandlung von Nierensteinen oder Harnleitersteinen werden dank moderner Technologien heute praktisch nicht mehr durchgeführt.

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Beste Vorbeugung: Viel trinken!
Der Bildung von Nierensteinen kann man vorbeugen. Vor allem jenen, die schon einmal einen Nierenstein hatten, werden gewisse Vorsichtsmaßnahmen empfohlen. Denn bei rund zwei Drittel aller Nierensteinpatienten bleibt es nicht bei einem Stein. Bald schon kann ein neuer Stein in der Niere heranwachsen.
Viel trinken – so lautet die wichtigste Nierenstein-Prophylaxe. Urologe Peschel empfiehlt, so viel zu trinken, dass man zwei bis 2,5 Liter Harn täglich produziert. Wie viel man trinken muss, um auf diese Zahl zu kommen, hängt von den Lebensumständen ab: „Wer aufgrund seiner Arbeit viel schwitzt, muss mehr Flüssigkeit zu sich nehmen, um die ausreichende Menge Harn zu produzieren“, erklärt Peschel.

     

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