Prostata im Blickpunkt

Oktober 2017 | Medizin & Trends

Woran das Männerorgan häufig erkrankt und was hilft
 
Das Wasserlassen funktioniert nicht mehr so, wie es funktionieren sollte? Nachts zwingt der Harndrang öfter aufs Klo? Im Beckenbereich sind Schmerzen aufgetreten? Beschwerden wie diese deuten auf eine Veränderung der Vorsteherdrüse hin. Für MEDIZIN populär hat Priv. Doz. Dr. Jasmin Bektic von der Universitätsklinik für Urologie an der Medizinischen Universität Innsbruck, der den Arbeitskreis Prostata in der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie leitet, die häufigsten Erkrankungen des Männerorgans in den Blickpunkt genommen und informiert über mögliche Therapien.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Gutartige Prostatavergrößerung –
Zellen vermehren sich

Beim Wasserlassen gibt es Startschwierigkeiten, der Harnstrahl ist unterbrochen, es tröpfelt nach, nachts zwingt der Harndrang öfter aufs Klo? „Dies sind meistens die ersten Anzeichen für die häufigste Veränderung der Vorsteherdrüse, die gutartige Prostatavergrößerung oder benigne Prostatahyperplasie“, erklärt Priv. Doz. Dr. Jasmin Bektic. Das Wachstum der Vorsteherdrüse kommt durch die Vermehrung der Gewebezellen zustande, die bereits um das 40. Lebensjahr herum beginnt und auf altersbedingte hormonelle Veränderungen zurückgeht. Unter den Männern der Generation 60 plus ist bereits etwa die Hälfte betroffen. Zwar bereitet die Prostatavergrößerung nicht immer Probleme, doch treten Beschwerden auf, beispielsweise beim Wasserlassen, und bleiben diese unbehandelt, kommt es mitunter schlimmer: Dadurch, dass sich die Blase immer wieder anstrengen muss, wird sie kräftiger, die Blasenwand verdickt sich, wodurch die Kapazität der Harnblase kleiner wird. Engt dann die vergrößerte Vorsteherdrüse die Harnröhre und den Blasenhals ein, besteht die Gefahr für schmerzhaften Harnverhalt – und setzt sich die Stauung des Urins bis in die Nieren fort, drohen dauerhafte Nierenschäden bis hin zum Nierenversagen, das meist abhängig von künstlichen Blutwäschen, der Dialyse, macht.

Was tun?
Sobald die klassischen Symptome für eine Prostatavergrößerung, wie Schwierigkeiten beim Wasserlassen, auftreten, zum Arzt gehen: Mit entsprechenden Medikamenten können der Blasenhals entspannt und die Prostata verkleinert werden, wodurch die Beschwerden meistens nachlassen. Greifen die Medikamente nicht ausreichend, empfiehlt sich eine Operation. Bei den verschiedenen Verfahren wird entweder durch die Harnröhre oder durch einen Bauchschnitt Prostatagewebe abgetragen. Anders als wohl viele befürchten, zieht dies weder unfreiwilligen Harnverlust, die Harninkontinenz, noch Potenzprobleme nach sich.

Wie beugt „Mann“ vor?
Bis zu einem gewissen Grad lässt sich der gutartigen Prostatavergrößerung durch ausgewogene, gesunde Ernährung und Sport vorbeugen, da beides die altersbedingten hormonellen Veränderungen verzögert.  

Akute Prostataentzündung –
Gewebe ist infiziert

Im Bereich des Beckens sind Schmerzen zu spüren, das Wasserlassen ist mit einem Brennen verbunden, die Samenflüssigkeit oder der Urin ist blutig, Fieber tritt auf? „So kann sich eine akute Prostataentzündung, die Prostatitis, bemerkbar machen“, sagt Bektic. Etwa 30 Prozent aller Männer sind irgendwann einmal im Lauf ihres Lebens davon betroffen. Infiziert wird das Gewebe der Vorsteherdrüse meist durch Bakterien, die über den Darm oder die Harnwege, etwa im Zuge einer Harnwegsinfektion, in das Männerorgan gelangen oder beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. Selten verursachen andere Erreger wie Viren oder Pilze die Infektion. Ohne eine entsprechende Behandlung besteht die Gefahr, dass sich eine akute Prostatitis zu einer chronischen Prostataentzündung entwickelt.

Was tun?
Bei den typischen Beschwerden, die eine Prostatitis auslöst, ärztliche Hilfe suchen. Medikamente gegen den Erreger, wie beispielsweise Antibiotika, und Mittel gegen die Schmerzen helfen.

Wie beugt „Mann“ vor?

Durch ein reges Sexualleben – da eine häufige Entleerung der Prostata vor einer Infektion des Gewebes der Vorsteherdrüse schützt.

Chronische Prostataentzündung –
Infektion hält an

Es kommt immer wieder zu Schmerzen oder Missempfindungen im Bereich von Prostata und Damm, der untere Rücken schmerzt, das sexuelle Verlangen hat abgenommen, Potenzstörungen treten auf? „Alles das deutet auf eine chronische Prostataentzündung oder chronische Prostatitis hin“, so Bektic. Zirka zehn Prozent der Männer erkranken daran, einige in Folge einer nicht richtig ausgeheilten akuten Entzündung der Vorsteherdrüse. Bei vielen ist die Ursache für die chronische, länger anhaltende oder immer wieder kehrende, Entzündung des Männerorgans nicht feststellbar.

Was tun?
Zeigen sich die Anzeichen für eine chronische Prostatitis, zum Arzt gehen. Stellt sich heraus, dass eine bakterielle Infektion hinter dem Leiden steckt, helfen Antibiotika, die über eine längere Zeit hinweg eingenommen werden, Schmerzmittel sowie Wärmeanwendungen oder Übungen zur Entspannung der Beckenbodenmuskulatur.

Wie beugt „Mann“ vor?
Bei einer akuten Entzündung der Prostata die Medikamente so lang einnehmen, wie es der Arzt empfiehlt. Außerdem gilt: Was vor dem Auslöser der akuten Prostatitis schützt, beugt auch der chronischen Entzündung der Drüse vor: ein reges Sexualleben.

Bösartige Prostataentzündung –
Krebszellen bilden sich

Es gibt keine Probleme, es sind weder Druckgefühle noch Schmerzen zu spüren, alles ist in bester Ordnung? „Dennoch sollten Männer ab 45 Jahren vorsorglich zur Untersuchung der Prostata gehen, und wenn eine genetische Veranlagung besteht, also nahe Verwandte wie der Vater, der Großvater, Bruder oder Onkel an Prostatakrebs erkrankten, bereits mit 40 Jahren“, sagt Bektic. Denn die bösartige, maligne, Vergrößerung der Vorsteherdrüse, bei der sich Krebszellen bilden, verursacht lang keine Beschwerden, ist aber bei Früherkennung (siehe „Prostata-Früherkennung“, unten) gut heilbar. Prostatakrebs wird hierzulande jedes Jahr rund 4500 Mal diagnostiziert: Damit ist die Erkrankung vor Lungenkrebs und Darmkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Etwa 1100 sterben jährlich daran. Risikofaktoren für die bösartige Erkrankung des Männerorgans sind das Alter, eine genetische Veranlagung, hormonelle Faktoren, eine ungesunde Ernährung.  

Was tun?
Vorsorglich – und sobald Beschwerden wie Schmerzen beim Samenerguss oder beim Wasserlassen auftreten – zur Untersuchung der Prostata gehen. Wird tatsächlich Prostatakrebs diagnostiziert, sich nach den Empfehlungen des Arztes behandeln lassen. Die Therapie richtet sich nach zahlreichen individuellen Kriterien, die vom Beobachten über die Überwachung bis hin zur Bestrahlung, einer Hormonbehandlung und Operation reichen. Nach der Operation kommt es deutlich seltener als viele befürchten zu bleibender Harninkontinenz oder Impotenz. Ist die Krebserkrankung bereits so weit fortgeschritten, dass sich Metastasen in den Lymphknoten und Knochen gebildet haben, ist sie nicht mehr heilbar, nur bedingt aufhaltbar.

Wie beugt „Mann“ vor?
Eine Vorbeugung vor Prostatakrebs ist nur bis zu einem gewissen Grad durch einen gesunden Lebensstil möglich.

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Prostataim Blickpunkt:
Wozu sie dient

Die Vorsteherdrüse, Prostata, ist bei einem 20-Jährigen etwa kastaniengroß und beginnt ab dem 40. Lebensjahr zu wachsen, bei dem einen langsamer, bei dem anderen schneller. Sie umschließt vollständig den Anfang der Harnröhre und produziert ein Sekret, das den Samenzellen, die in den Hoden hergestellt werden, beim Samenerguss, der Ejakulation, beigemischt wird. Das Sekret liefert den Samenzellen Substanzen, ohne die sie sich nicht fortbewegen könnten. Möglich ist die Beimischung, weil der Samenleiter, der die Spermien transportiert, in der Prostata verläuft und in die Harnröhre mündet.  

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Prostata-Früherkennung:
Was sie bringt

Die Früherkennung von Prostatakrebs ist nur über eine Früherkennungsuntersuchung möglich. Priv. Doz. Dr. Jasmin Bektic rät Männern, erstmals mit 45 Jahren vorsorglich zur Untersuchung der Prostata zu gehen – sind nahe Verwandte an Prostatakrebs erkrankt, schon mit 40 Jahren. Die Untersuchung besteht in einem Abtasten der Prostata über den Enddarm und dem PSA-Test. Für den PSA-Test wird eine Blutprobe entnommen und das im Blut enthaltene PSA, das prostataspezifische Antigen, eine Eiweißsubstanz, gemessen. Bei einem verdächtigen Tastbefund oder wiederholt erhöhten PSA-Werten empfiehlt sich eine Gewebeentnahme, die Biopsie. Auch werden dann oft weitere Biomarker wie z.B. PCA3, eine Kombination verschiedener Biomarker, oder eine spezielle Magnetresonanztomografie eingesetzt.

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Wann zum Arzt?

  • Sofort, wenn Beschwerden oder unangenehme Veränderungen auftreten.
  • Vorsorglich zur Untersuchung der Prostata einmal um das 45. Lebensjahr herum. Sind nahe Verwandte an Prostatakrebs erkrankt, um das 40. Lebensjahr. Danach so oft, wie es der Arzt empfiehlt.

Buchtipp:
Ponholzer, Madersbacher, Thalmann, Oelke, Wagenlehner
Prostata
ISBN 978-3-99052-016-1
124 Seiten, € 14,90
Verlagshaus der Ärzte

Stand 10/2017

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