Fit und motiviert: Betriebssport bringt allen was

Dezember 2007 | Leben & Arbeiten

So gesund kann Arbeiten sein
 
Arbeiten kann mehr sein als Geldverdienen und Selbstverwirklichung. Im Job kann man auch eine gehörige Portion Gesundheitsbewusstsein lernen und sogar zur Sportskanone werden. Wie attraktive Programme zur Gesundheitsförderung im Betrieb aussehen und wie Firmenbosse die Fitness ihrer Mit­arbeiterinnen und Mitarbeiter fördern können, zeigen Beispiele des Arbeitsmedizinischen Zentrums Perg in Oberösterreich.
 
Von Mag. Wolfgang Bauer

Früher Nachmittag in Schwertberg im Mühlviertel. Der Sportwissenschaftler Mag. Georg Kas­tler trifft auf dem Firmengelände der Engel Austria GmbH ein. Zu diesem Zeitpunkt beenden Mitarbeiter des weltweit bekannten Herstellers von Spritz­gießmaschinen ihre Arbeit. Die rund 20 Personen tauschen nun ihre Arbeitskleidung gegen Trainingshose, Funktionsshirt und Sportschuhe. Denn jetzt ist eine Stunde Fitness angesagt, das Training geht gleich nach Dienstschluss los. Trainer Kastler erwartet die Hobbysportler vor dem Firmeneingang, nach einer kurzen Begrüßung und ein bisschen Fachsimpelei geht es rasch zur Sache. Nordic Walking steht auf dem Programm, und es dauert nicht lange, da ist die Gruppe flotten Schrittes außer Sichtweite. Wenn sie von dieser Ausdauereinheit zurück kommen, wird noch ausgiebig gedehnt, diskutiert, gescherzt. Danach geht die Gruppe auseinander, müde, aber zufrieden fahren die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach Hause. Nur für den Sportwissenschaftler ist das Training noch nicht vorbei. Für ihn geht es noch zum Wirbelsäulen-Workout mit anderen Mitarbeitern dieses Betriebs. Insgesamt nehmen an diesem Tag rund 50 Personen an den Trainingseinheiten teil.

Betriebsklima bessert sich
„Nordic Walking eignet sich optimal als Betriebssport“, sagt Mag. Kastler. „Es ist ein hervorragendes Ganzkörpertraining, das zirka 90 Prozent aller Muskeln beansprucht und praktisch zu jeder Jahreszeit möglich ist. Es ist für Anfänger und wenig Trainierte genauso geeignet wie für ambitionier­tere Sportler, und es ist vor allem ein ausgezeichneter Ausgleich zu den oft einseitigen Tätigkeiten am Arbeitsplatz.“ Die diplomierte Wellness- und Gesundheitstrainerin Margarete Nöhbauer, die an zwei anderen Standorten dieser Firma mit den Mitarbeitern ebenfalls Fitnessprogramme durchführt, betont hingegen vor allem den geselligen Aspekt des Trainings: „Sport fördert das Zusammengehörigkeitsgefühl. Denn Frauen und Männer aus verschiedenen Abteilungen des Betriebs, die sonst kaum Kontakt miteinander haben, marschieren nun gemeinsam mit ihren Stöcken über Wiesen und durch Wälder. Dass dabei auch der Spaß nicht zu kurz kommt, versteht sich von selbst.“

Sport kommt zur Firma
Akzeptanz und Erfolg des Betriebssports hängen jedoch nicht nur von der Wahl der Sportart ab. Die Mitarbeiter schätzen vor allem, dass sie das Fitnessangebot direkt am Arbeitsplatz vorfinden. Das macht das Mitmachen besonders einfach. „Diese Art der betrieblichen Gesundheitsförderung setzt sich immer mehr durch. Wir bringen den Sport zu den Firmen und stimmen außerdem das Angebot auf die Vorlieben und Dienstzeiten der Mitarbeiter ab. So lernt man am Arbeitsplatz, wo man ja einen großen Teil des Lebens verbringt, auch eine gehörige Portion Gesundheitsbewusstsein“, ist Dr. Karl Hochgatterer, Leiter des Arbeitsmedizinischen Zentrums Perg im Mühlviertel und medizinisch für die betriebliche Gesundheitsförderung verantwortlich, überzeugt.
Der Aufwand, den die Mitarbeiter für ihre Gesundheit leisten müssen, ist denkbar gering: „Sie brauchen praktisch nach der Arbeit nur eine Stunde ihrer Freizeit für die Fitness zur Verfügung stellen. Die Kosten für den Trainer, die Stöcke und andere Fitnessgeräte übernimmt die Firma“, so Dr. Peter Neumann von der Engel Firmengruppe. Außer Nordic Walking wird auch noch eine spezielle Wirbelsäulengymnastik angeboten. Man ist sich in der Firma bewusst, dass der Erfolg des Unternehmens auch und vor allem von der Gesundheit und Fitness der Mitarbeiter abhängt.

Was die Mitarbeiter davon haben
Rund drei Viertel aller Krankheiten, die Erwerbsunfähigkeit und Krankenstände verursachen, können durch körperliche Aktivität positiv beeinflusst werden. Wie sich ein auf die Mitarbeiter bestens abgestimmtes Sportprogramm im Betrieb auf die Gesundheit auswirkt, hat Arbeitsmediziner Karl Hochgatterer beim Glasbauunternehmen Baumann im oberösterreichischen Baumgartenberg im Rahmen einer Studie (mit dem Namen „Baumann in Bewegung“) eruiert.
Auch in diesem Betrieb mit rund 100 Mitarbeitern hat man mit dem Sportwissenschaftler Georg Kastler zusammengearbeitet. Vier Monate lang hat er zweimal pro Woche ein Sport- und Bewegungsprogramm durchgeführt – entweder jeweils 60 Minuten Nordic Walking in freier Natur oder bei Schlechtwetter jeweils eine Stunde Wirbelsäulen-Workout in der Betriebshalle. Die Hälfte der Teilnehmer musste bis zu Beginn des Programms zu den Bewegungsmuffeln gezählt werden, hat quasi erst durch die Firma den Zugang zum Sport gefunden, der Rest war bis dahin zumindest zeitweise aktiv.
Dr. Hochgatterer hat zu Beginn und am Ende des Sportprogramms die Fit­ness der Probanden anhand zweier Fahrradergometrien untersucht. Die Teilnehmer wurden außerdem gezielt nach Beschwerden und Befinden befragt. „Im Vergleich zur Ausgangslage hat sich durch das viermonatige Sportprogramm die Leistungsfähigkeit der Teilnehmer ganz deutlich verbessert. Sowohl der Belastungspuls als auch der Ruhepuls der Teilnehmer konnte gesenkt werden. Man kann sagen, dass das Herz durch die regelmäßige körperliche Aktivität nun ökonomischer arbeitet“, resümiert Dr. Hochgatterer. Außerdem ergab die Schlussbefragung, dass im Vergleich zur Anfangsbefragung Beschwerden an der Lenden- und der Halswirbelsäule sowie im Schulter- und Nackenbereich deutlich zurückgegangen waren.

Chef macht mit
Für Geschäftsführer Franz Baumann ein überzeugender Erfolg. Er wollte ursprünglich seinen Mitarbeitern im Betrieb ein Fitnessstudio einrichten, ist jedoch aufgrund mangelnder Akzeptanz von dieser Idee wieder abgekommen. Statt dessen ließ er sich von Georg Kastler von der Durchführung eines Ausdauertrainings in Kombina­tion mit Wirbelsäulengymnastik überzeugen. Und weil er sich selbst auch gerne bewegt, war Franz Baumann so oft es sein Zeitplan erlaubte mit von der Partie. „Mir hat der Ausgleichssport sehr gut getan. Besonders erfreulich ist, dass wir jetzt nach Beendigung des Projekts im kleinen Kreis und ohne Trainer weiterhin Sport betreiben und eine Menge Spaß dabei haben“, so der Firmenchef.

Betriebssport bringt’s
Arbeitsmediziner Dr. Karl Hochgatterer über die Vorteile von Betriebssport:

  • die Teilnehmer: geringer Aufwand durch ein Bewegungsangebot vor Ort
  • Für die Firma: mit relativ geringen Kosten kann man eine große Anzahl von Personen erreichen
  • Gemeinsamkeit wird gefördert, das Betriebsklima profitiert
  • Unterstützung und Motivation durch andere Teilnehmer erleichtert das Mit­machen und Durchhalten
  • Fitness der Mitarbeiter steigt
  • Verschiedene körperliche Beschwerden bessern sich, Krankenstände nehmen ab

     

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