Zahn der Zeit

Januar 2013 | Medizin & Trends

Richtige Mundhygiene in jedem Alter
 
Vom ersten Milchzahn bis zu den Dritten: Auch unsere Zähne verändern sich mit der Zeit und stellen in jedem Alter unterschiedliche Ansprüche an die Pflege. MEDIZIN populär hat die besten Tipps für die richtige Mundhygiene vom Baby bis zum Senior.
 
Von Bettina Benesch

Gesunde Zähne sind ein Sinnbild für Jugendlichkeit, Fitness und Sauberkeit. Ein strahlendes Lächeln kann Türen öffnen. Und der Weg zum strahlenden Lächeln ist denkbar einfach: Bei Kindern braucht gute Mundhygiene pro Tag nur drei, vier Minuten; für Erwachsene reichen acht Minuten täglich aus, um die Zähne sauber und gesund zu halten. Für MEDIZIN populär erklärt DDr. Claudius Ratschew, Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in Wien, welche Regeln der Zahnpflege in welchem Lebensabschnitt gelten.

Baby & Volksschulkind

Richtig Putzen ab dem großen Durchbruch. Irgendwie müssen sie es wissen, die Kleinen, dass die ersten Zähne gepflegt werden möchten: Jedes weiche Kunststoffteil wandert zielsicher in den Mund – mit Vorliebe dann, wenn die Zähne durchbrechen. Wer da so etwas wie einen Beißring zwischen den Zähnen hat, lindert das lästige Gefühl des Zahnens, massiert das Zahnfleisch und schrubbt gleichzeitig die ersten Beißerchen.
Ans richtige Zähneputzen geht es etwa ab dem sechsten Lebensmonat, wenn die ersten Zähne durchgebrochen sind. Die Eltern sorgen dann für regelmäßige Reinigung, am besten mit einem nassen Wattestäbchen. Sind alle Backenzähne vorhanden, wird die erste Kinderzahnbürste angeschafft, je nach Vorliebe eine Handzahnbürste oder eine elektrische. Gewechselt wird die Kinderzahnbürste wie bei den Erwachsenen etwa alle zwei Monate.  
Zu diesem Zeitpunkt kommt auch erstmals Zahnpasta zum Einsatz, und da unbedingt eine kindgerechte, denn Kinder sind erst mit etwa drei Jahren in der Lage, Zahnpasta gründlich auszuspülen. Sie brauchen also eine, die sie ohne Schaden schlucken können; und das trifft nur auf Kinderzahnpasten zu, die außerdem weniger scharf schmecken als die meisten Erwachsenenzahnpasten. Erst ab dem mittleren Volksschulalter könnten sie auch die Zahnpasta ihrer Eltern verwenden.
In den ersten Jahren putzen meist ausschließlich die Eltern die Zähne des Kindes. Etwa ab dem zweiten Geburtstag können die Kleinen selbst putzen. Das Nachreinigen durch die Eltern ist aber unbedingt notwendig und erfolgt etwa bis zum zehnten Lebensjahr. Zahnseide ist ab einem Alter von etwa zwölf Jahren empfehlenswert.
Claudius Ratschew rät Eltern, ihre Kinder einfühlsam, aber gewissenhaft an das Zähneputzen heranzuführen: „Wichtig ist, dass sie gute Vorbilder sind und ihren Kindern das Bewusstsein vermitteln, dass Zähneputzen wichtig ist.“ Als Vorbilder gehen sie am besten auch regelmäßig zum Zahnarzt – und nehmen ihren Nachwuchs gleich mit; sinnvollerweise noch vor dem Durchbruch des ersten Zahns. So können die Kinder den Zahnarztbesuch als spannendes und angenehmes Ereignis im Kopf behalten, das zweimal im Jahr als Fixtermin im Kalender steht.    

Jugendliche & Erwachsene

Richtige Technik mit Bürste, Paste und Zahnseide. Zahnputztechnisch gesehen gelten Jugendliche als Erwachsene. Zweimal Zähneputzen pro Tag ist unerlässlich für alle, die auch jenseits ihres zwölften Geburtstages gesunde Zähne und in späten Jahren noch ihr eigenes Gebiss haben möchten. Denn abnehmbarer Zahnersatz ist keinesfalls Schicksal: „Ich habe Patienten, die auch mit 80 Jahren noch alle eigenen Zähne besitzen“, sagt Ratschew. Der Schlüssel heißt: „Richtige Zahnpflege“, erklärt der Mediziner: „Die meisten Probleme mit dem Gebiss entstehen durch schlechte Zahnpflege.“ Das gilt für Mundgeruch genauso wie für Parodontitis, die zur Zerstörung des Zahnhalteapparats führen kann.
Gute Mundhygiene ist leicht und rasch durchführbar: Zweimal am Tag Zähne putzen und die Zahnzwischenräume anschließend mit Zahnseide reinigen. Mit maximal acht Minuten pro Tag findet man das Auslangen, denn einmal Zähneputzen dauert etwa zwei Minuten, das Reinigen mit Zahnseide gleich lang.
Der Zahnarzt empfiehlt das Putzen nach dem Essen – jeweils eine halbe Stunde nach dem Frühstück und dem Abendessen. Das Warten ist unbedingt notwendig, denn direkt nach dem Essen ist der Zahnschmelz verwundbar: Wer unmittelbar nach dem letzten Bissen zur Zahnbürste greift, putzt nicht nur Zahnbeläge und Speisereste fort, sondern kann auch den Zahnschmelz schädigen. Eine halbe Stunde nach dem Essen hat sich die Mundchemie wieder normalisiert. Wer mag, kann freilich auch nach dem Mittagessen putzen – wichtig ist auch hier die Wartezeit von mindestens 30 Minuten. In Sachen Zahnpasta rät Claudius Ratschew zu fluoridhältigen Produkten. Bleichmittel dagegen haben im privaten Badezimmer nichts verloren, da sie der Zahnsubstanz schaden können.
Nach dem Putzen werden die Zahnzwischenräume mit Zahnseide gereinigt. Sie wird mit zart sägenden Bewegungen zwischen die Zähne gebracht und danach wieder nach oben geführt. Wichtig ist dabei, die Seide nicht ins Zahnfleisch zu drücken. Zahnseide ist Pflicht bei der täglichen Zahnpflege.
Etwa einmal im Jahr empfiehlt Claudius Ratschew die professionelle Mundhygiene beim Zahnarzt, bei der unter anderem Zahnstein und Beläge gründlich entfernt werden. Außerdem geht es auch darum, die passende Zahnputztechnik zu lernen, um die Mundhygiene zu Hause richtig auszuführen.

Richtige Ernährung gegen Karies

Karies entsteht vorrangig durch das Zusammenspiel von zwei verschiedenen Faktoren: einerseits Kohlenhydrate aus Lebensmitteln, vor allem Zucker, und andererseits Bakterien, die auf den Zahnoberflächen einen klebrigen Belag bilden (Plaque). Die Bakterien wandeln dann Kohlehydrate in Säuren um, und die wiederum greifen den Zahnschmelz an. Mit der Zeit verfärben sich die Zähne, die Krankheit breitet sich ins Zahninnere aus.
Wer Karies vermeiden will, muss daher nicht nur seine Zähne sauber halten, sondern auch auf die Ernährung achten. Wichtigste Regel dabei: Zucker meiden und Zuckerhältiges nicht über den Tag verteilt essen. Besser ist es, Süßes nur an einem Zeitpunkt des Tages zu genießen, etwa als Nachspeise nach dem Mittagessen, und eine halbe Stunde später die Zähne zu putzen.
Die Säure in Obst oder Limonaden greift die Zähne nicht an, wenn die Mundhygiene gut ist und nach dem Verzehr mindestens eine halbe Stunde bis zum nächsten Zähneputzen verstreicht.

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Richtige Pflege der Dritten

Wenn die eigenen Zähne verloren gehen, wird häufig ein abnehmbarer Zahnersatz angepasst. Gereinigt wird die Prothese immer außerhalb des Mundes – und zwar mit einer eigenen Zahnbürste und unparfümierter Seife. Herkömmliche Zahnpasta ist nicht geeignet, denn ihre Scheuermittel schädigen den Werkstoff des Zahnersatzes. Als Prothesenzahnbürste eignet sich jede herkömmliche Handzahnbürste. Wer Haftmittel verwendet, muss es gewissenhaft von der Prothese und der Mundschleimhaut entfernen.
Der Zahnarzt DDr. Claudius Ratschew empfiehlt zudem, den abnehmbaren Zahnersatz auch während der Nacht zu tragen, da sich die Mundschleimhaut sonst jeden Tag von Neuem an die Prothese gewöhnen muss. Morgens und abends wird der Zahnersatz gereinigt, zusätzlich die Mundschleimhaut mit einem sauberen Waschlappen massiert. Etwa ein bis zweimal im Jahr ist es sinnvoll, die Passform der Prothese beim Zahnarzt kontrollieren zu lassen – spätestens aber dann, wenn Druckstellen im Mund auftreten, denn sie sind zumeist der Hinweis auf Passungenauigkeiten.

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